Enterprise Messaging im Test - Circuit

Die Veröffentlichung des Whitepapers „Enterprise Messaging – Ein WhatsApp für Unternehmen?“ rückt immer näher. Letzte Woche haben wir Teamwire unter die Lupe genommen. Die Woche im Fokus: Circuit – ein Tool vom UC-Anbieter Unify, das eine problemlose Zusammenarbeit im Unternehmen via Sprache, Video, Screensharing, Chat und Dateifreigabe verspricht. Für den Test stand uns die kostenfreie UnifyFree Version zur Verfügung.

 

Funktionalitäten

Circuit ist ein WebRTC-basierter Cloud-Service von Unify für die Kommunikation und Zusammenarbeit von Teams in Unternehmen. Das Tool bietet dem Nutzer ein umfassendes Angebot an Features zur verbesserten Unternehmenskommunikation in einer intuitiven Umgebung. Die Benutzeroberfläche wurde von der Firma „frog design“ entwickelt und entspringt somit demselben Hersteller wie verschiedene Macintosh-Modelle oder die Geschäftssoftware von SAP. Vorteil: Nach nur wenigen Klicks und ohne tiefgründige IT-Kenntnisse kann ein Firmenzugang erstellt und die ersten Kollegen zu Circuit eingeladen werden.

Wie schon bei Mattermost oder Slack dreht sich bei der Nutzung des Tools alles um Gruppen und Channels („Communities“ und „Konversationen“), innerhalb derer man in beliebig großen Teams themenspezifisch kommunizieren kann. Hierfür bietet Circuit neben Direktnachrichten, Dateifreigaben und Emoticons auch die Nutzung von Calls, Video-Konferenzen und Screen-Sharing an, die man direkt von einer Community aus starten kann. Durch das Outlook Kalender Plug-In weiß Circuit dabei auch immer, welcher Kollege gerade nicht erreichbar ist und schließt diesen dann beim entsprechenden Call automatisch aus. Ähnlich sinnvoll in diesem Zusammenhang ist das Snooze-Feature, nach dessen Aktivierung man keine Benachrichtigungen mehr erhält und sich ganz auf andere Tätigkeiten konzentrieren kann.

Die Konversationen werden alle in einem Stream abgebildet und chronologisch geordnet. Sämtliche Nachrichten, Audio-Dateien oder Dokumente, die mit einer Konversation verknüpft sind, sind einfach zu finden und mit einem Klick verfügbar. Nach dem Motto „just one click away“ strukturieren sich ohnehin alle Funktionen und die Bedienlogik von Circuit, sodass man mit einem einzigen Browserfenster auskommt.

Telefonkonferenzen starten, chatten sowie Ideen und Informationen austauschen kann man mit Circuit sowohl in der browserbasierten Anwendung, als auch im Desktop-Client oder der Mobile App und zwar auf allen geläufigen Betriebssystemen. Sehr gut gefallen hat uns die Möglichkeit, laufende Calls und Konferenzenper einfacher Geste auf ein anderes Gerät zu übertragen und dort ohne Unterbrechung fortzusetzen.

 

Integrationsmöglichkeiten

Das flexible und schnelle Arbeiten von zu Hause und von unterwegs wird von beispielsweise Box, Google Drive oder Outlook Exchange vereinfacht. Erweiterte Integrationsmöglichkeiten bietet Circuit durch verschiedene Programmierschnittstellen. Programmierer können Circuit über eine Reihe bereitgestellter APIs einerseits zur Entwicklung von Erweiterungen und andererseits Content und WebRTC-Services von Circuit, wie Audio- und Videokonferenzen, in andere Anwendungen oder Websites einfügen und darin nutzen. Vor allem im englischsprachigen Raum hat sich eine Community entwickelt, die bereits einen großen Pool an Dritt-Anwendungen zur Verfügung stellen [Beispiele]. Circuit entwickelte sich durch diese Möglichkeit von einer SaaS zu einer PaaS.

Im sogenannten „Circuit Lab“ können bereits ab der kostenlosen Version experimentelle Funktionen händisch aktiviert werden, deren Implementierung für zukünftige Versionen von Circuit geplant ist. Beispielsweise kann eine Nachricht in einer Konversation mit Abstimmungsschaltflächen erweitert werden. Die Aktivierung der Circuit-Labs-Funktionalität ist allerdings auf den Browser Client beschränkt.

Insgesamt sind die Funktionen zur Kommunikation extrem einfach gehalten, da man auf umfassende Projektmanagement-Werkzeuge oder die Integration von E-Mail-Kommunikation verzichtet. Wer davon etwas enttäuscht sein mag, kann sich an anderer Stelle über die vereinfachte Usability freuen.

 

Bots

Hinsichtlich der standardmäßigen Verwendung von Bots kann zum aktuellen Zeitpunkt keine genaue Auskunft gegeben werden. Über die besagten Programmierschnittstellen lassen sich allerdings Chat-Bots u.Ä. integrieren.

 

Hosting

Das Hosting von Circuit ist lediglich in der Unify-eigenen Circuit Cloud möglich und bietet keine On-Premise Variante. Die dazugehörigen Datencenter befinden sich für US-Partner in Washington, D.C. und im EU-Datenschutzraum in Amsterdam. Obwohl seit Anfang 2016 die Datenhaltung auf deutschem Boden in einem T-Systems-Rechenzentrum und eine hohe Bandbreite an Sicherheitsstandards angeboten werden, sorgte der US-Hintergrund von Unify beispielsweise bei deutschen Bundesbehörden für Zweifel an der Datensicherung.

 

Preismodell

In der kostenlosen Edition bietet Circuit bereits die unbegrenzte Erstellung von Communities und Konversationen an, limitiert die Kapazitäten des Tools allerdings auf 100 Nutzer, 3 Teilnehmer pro Telefonkonferenz und 1 GB Cloud-Speicher. Mit dem Team-Paket für 3,95 € pro Nutzer im Monat können dann beliebig viele Nutzer hinzugefügt werden. Außerdem werden die Anzahl der Teilnehmer an einer Telefonkonferenz auf 6 und die Größe des Speichers auf 5 GB erhöht. Mit dem Professional-Paket für 6,95 € pro Nutzer im Monat erhält man eine Erweiterung des Speichers auf 10 GB, umfangreichen SLA sowie Help Desk Support und die Möglichkeit der Konferenz-Aufzeichnung. Außerdem kann man dann auch die Telefonie-Schnittstelle nutzen, um das interne Telefonsystem – vorausgesetzt es handelt sich um ein System von Unify oder Siemens - mit Circuit zu verknüpfen und Externe in Calls einzubinden. Das Enterprise-Paket für 14,95 € pro Nutzer im Monat eignet sich mit seinen 20 GB Speicher schließlich für Unternehmen, die ihre Kommunikation und die damit verbundenen Prozesse gänzlich strategisch über Circuit organisieren wollen.

 

Fazit

Circuit ist nach wie vor ein Running Project. Das Tool wird kontinuierlich weiterentwickelt, um die von Unify formulierte Vision eines „new way to work“ vollständig umzusetzen. Mit Hinblick auf die Bedienbarkeit bietet Circuit gerade durch die intuitive Benutzeroberfläche nach dem Motto „weniger ist mehr“ schon heute einige Vorteile. Vor allem für kleinere Teams innerhalb eines Unternehmens bietet sich die Arbeit mit dem Tool an. Je intensiver die Anwendung genutzt wird, desto größer wird jedoch auch die Notwendigkeit angrenzender Werkzeuge. Erweiterte Funktionen zur Teamkoordination, die Bearbeitung von hochgeladenen Dokumenten oder die standardmäßige Integration von CRM- und Businessanwendungen könnten Circuit in Zukunft deutlich aufwerten. Teilweise sind hier bereits Lösungen von Drittanbietern integrierbar. Für mittelgroße bis große Unternehmen, insbesondere solche mit einem hohen Anteil an Wissensarbeit, als auch für IT-Dienstleister und Berater lohnt es sich also, das Potenzial von Circuit für den Digital Workspace zu prüfen. Vor allem, da man davon ausgehen kann, dass Unify sein noch recht junges Angebot zukünftig stärker an seine 30 Millionen Anwender von Telefonie- und UC-Produkten vermarkten wird. Einzig die oben genannten Zweifel an der Datensicherung sind hier als Kritikpunkt zu werten. 

 

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