Enterprise Messaging im Test - Mattermost

Enterprise Messaging gewinnt in Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Mitarbeiter kommunizieren offiziell oder informell mit Hilfe von verschiedenen Messenger Tools untereinander, aber auch vermehrt mit Geschäftspartnern, Lieferanten oder direkt mit Kunden. Das Ganze natürlich möglichst überall und on the go – am PC, am Tablet oder auf dem Smartphone.

Doch was können diese Enterprise Messaging Tools wirklich und für welche Anwendungsszenarien sind sie geeignet? Dieser Frage gehen wir In unserem Whitepaper „Enterprise Messaging – Was kann das berufliche WhatsApp wirklich“ auf die Spur und untersuchen acht verschiedene Tools auf Herz und Nieren. Als Vorgeschmack auf das Ende November erscheinende Whitepaper, stellen wir wöchentlich ein Tool genauer vor. Letzte Woche haben wir Slack unter die Lupe genommen. Diese Woche im Fokus: Mattermost – ein Tool, das sich selbst als selbst gehostete Open-Source Alternative zu Slack bezeichnet. Dieser These gehen wir auf den Grund.  Für den Test stand uns die kostenfreie Team-Edition zur Verfügung.

 

Funktionalitäten

Das gleichnamige Entwicklerunternehmen aus Palo Alto hat den Namen der Anwendung ganz bewusst gewählt. Die Enterprise Messaging App Mattermost soll sich auf das Wesentliche beschränken - die teaminterne, aber auch teamübergreifende Kommunikation. Im Vergleich zu den bisher vorgestellten Lösungen ist Mattermost auf dem Open-Source Prinzip aufgebaut, d.h. der Code der Anwendung ist öffentlich verfügbar und x-beliebig mit entsprechnder IT-Kenntnisse erweiterbar. Dies hat für das Unternehmen den Vorteil, dass die Anwendung auf den eigenen Servern gehostet werden können und potentielle Erweiterungen selbst generiert und implementiert werden können. Grenzen sind den Unternehmen dabei selbst überlassen.

Betrachtet man das reine Funktionspaket, ist Mattermost in der Tat auf das Wesentliche reduziert. Wie bei HipChat und Slack ist die Anwendung rund um das Gruppen- bzw. Channel-Prinzip aufgebaut. Als Team kann man mehrere Channels anlegen, in denen sich alle Gruppenmitglieder austauschen können. Private Gruppen bestimmter Personen sind ebenso wie Privatnachrichten möglich.

Neben der Chatfunktion ist das Teilen von Dokumenten, Bildern und Videos möglich. Als schönes Feature ist hier die direke Kommentarfunktion der einzelnen Dateien hervorzuheben. Audio bzw. Videotelefonate sind nicht möglich ebenso wenig wie das Teilen von Kalendereinträgen und Standorten.

Hervorzuheben im Vergleich zu etwa Slack ist die Tatsache, dass man teamübergreifend kommunizieren kann. Mehrere Teams können parallel angelegt werden und in jedem „Teamspace“ hat man die Möglichkeit, auch Mitglieder zu kontaktieren, die nicht dem Team zugehören. Das Wechseln verschiedener Teams erübrigt sich.

Als Enterprise Messaging App kommt auch bei Mattermost die Mobilität nicht zu kurz. Verfügbar ist die Anwendung im Browser, als Desktop-Client für Windows, Mac und Linux und als Mobile App für iOS und Android. Insbesondere für internationale Teams könnte sich Mattermost als attraktiv darstellen, da die Anwendung in neun verschiedenen Sprachen angeboten wird. Ebenso lassen sich verschiedene Custom-Designs wie auch Custom Emojis erstellen.

Die Usability war auf allen Oberflächen überzeugend, da sie sich auf den direkten Kommunikationsaustausch fokussiert. Nichtsdestotrotz merkt man, dass die Anwendung noch in den Kinderschuhen steckt und zum Teil noch etwas intuitiver aufgebaut sein könnte. Neue Teams können beispielsweise nur über den Browser bzw. Desktop-Client angelegt werden. Des Weiteren ist der Log-In Prozess etwas umständlich. Zunächst muss die Server-URL eingeben werden, im Anschluss die Login-Daten und dann kann man erst sein Team auswählen.

Des Weiteren muss erwähnt werden, dass Mattermost nicht ohne IT-Kenntnisse initialisiert werden kann. Es muss eine Mattermost-Instanz auf dem eigenen Server erstellt werden, auf die entsprechend nur die Systemadministratoren Zugriff haben.

 

Integrationsmöglichkeiten

Die Integrationsmöglichkeiten sind insbesondere aufgrund des Open-Source Entwicklungsansatzes breit gefächert. Unternehmen können die Anwendung mit einer Vielzahl von Integrationen erweitern, beispielsweise kann per Webhook eine Anbindung zu Slack hergestellt werden. So können Inhalte und Apps, die in Slack installiert werden, in Mattermost abgebildet werden. Über den Online-Dienst Zappier können bis zu 700 Apps wie Jira, Github, Twitter, Trello oder Dropbox angebunden werden. Allerdings ist auch hier wieder anzumerken, dass Zappier durch den Systemadministrator auf dem Mattermost Server installiert werden muss.

 

Bots

Mattermost bietet ebenfalls mehrere Bot-Integrationen, die ähnlich wie bei Slack etwa als Chat-Bot fungieren oder auch selbst konfiguriert und erweitert werden können. Doch auch hier gilt, IT-Kentnisse sind von Nöten, um die Bots zu integrieren. Eine simple Installation, wie bei HipChat oder Slack gesehen, ist nicht möglich.

 

Hosting

Das Hosting im eigenen Hause ist sicherlich eines der Kriterien, wenn nicht sogar das Kriterium, wieso Mattermost eine attraktive Enterprise Messaging Lösung darstellt. Insbesondere in der entgeltpflichtigen Enterprise Version gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen internen Hostingmöglichkeiten inkl. ehöhter Sicherheitsstandards. Mattermost kann als SaaS Lösung in die IT-Landschaft des Unternehmens integriert werden. Dies kann auf privaten Datenbanken erfolgen, auf AWS-Instanzen der Kunden oder in der privaten Cloud.

 

Preismodell

Mattermost bietet in seiner kostenfreien Team Edition die Erstellung mehrere Team-Chaträume inkl. unbegrenzter Suchhistorie und mehrsprachiger Skalierbarkeit der Anwendung. Die Enterprise E10 Variante kostet 1,67 $ pro Nutzer im Monat und kann mit LDAP Single-Sign-On, erweitertem Support, verschlüsselten Push-Notifications und Multifaktoren-Authentifizierung aufweisen. Die Enterprise E20 Option, Preise auf Nachfrage bietet zusätzlich einen expliziten Compliance Support, erweiterte Authentifizierungsmöglichkeiten und erweiterten Datencenter Support, was sicherlich am interessentesten für große Unternehmen ist. Hier werden vor allem zusätzliche Administrationstools angeboten, die das zentrale Verwalten und Steuern von mehreren Tausend Nutzern und Teams ermöglichen.

 

 

Fazit

Mattermost ist ein einfach gehaltenes Messaging-Tool, das sich in seiner kostenfreien Version vor allem für kleinere Unternehmen mit hoher Technikaffinität eignet. Aufgrund der Open-Source Umgebung, kann die Anwendung unternehmensintern beliebig erweitert werden und es können Integrationen und neue Erweiterungen mit anderen Entwicklern ausgetauscht werden. Problematisch ist Mattermost in diesem Zusammenhang sicherlich für größere Unternehmen, die bereits sehr weitläufige und eng verknüpfte IT-Ökosysteme aufgebaut haben. Die Integrationen können nicht auf der Mattermost Instanz selbst installiert werden, sondern müssen mit Hilfe von sogenannter Middleware eingespeist werden. Diese Middleware gleicht einer neuen Software und würde somit sicherlich die strikten Sicherheitsanforderungen der Unternehmen zuwider stehen. Andererseits bietet Mattermost, insbesondere für größere Unternehmen, eine Vielzahl an zusätzlichen Sicherheitsstandards. Sollte die Anwendung auf das Wesentliche reduziert sein, nämlich der mobilen Kommunikation und dabei sicher auf dem eigenen Server gehostet werden, ist Mattermost sicherlich eine ernstzunehmende Alternative.

 

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