Next Level Enterprise Messaging: Glip

Enterprise Messaging war ein großes Trendthema des Jahres 2017. Das Interesse von kleinen wie großen Unternehmen an der stetig wachsenden Zahl an Lösungen scheint nach wie vor immens und wird uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Neue Hersteller ergründen den Markt, bestehende Enterprise Messenger werden - meist um Kollaborationsmöglichkeiten - weiterentwickelt und das Angebot wird immer bunter.

Um dieser Dynamik gerecht zu werden, möchten wir mit dieser Blogreihe an unser erstes Whitepaper „Enterprise Messaging - WhatsApp für Unternehmen?“ anknüpfen und ein umfassendes Update zur aktuellen Marktsituation von Enterprise Messaging geben. Als Ergebnis dieser Arbeit werden wir Anfang des Jahres 2018 eine Neuauflage unseres Whitepapers veröffentlichen, das neben einer neuen Evaluierung anhand von Use Cases zudem eine Reihe an interessanten Customer Success Stories mit verschiedenen Messengern enthalten wird.

Heute möchten wir einen Newcomer vorstellen: Glip, ein Add-On des englischen Cloud-Computing und Telekommunikationsunternehmens RingCentral. Aufgrund der Vereinigung von Messaging mit Smart Collaboration und Organisation, setzt Glip seinen Fokus neben der dezentralen Kommunikation auf das Projektmanagement.

 

Umfassenderes Slack?

Auf den ersten Blick erinnern das Design und besonders der Aufbau stark an Slack. Glip ist sowohl durch einen Dektop- als auch Mobile-Client mit allen gängigen Betriebssystemen zugänglich und ermöglicht dadurch eine starke geräteübergreifende Usability. Das Dashboard unterteilt sich in die einzelnen Funktionalitäten des Tools.

 

In Management-Cockpits sind Channels aufgeführt in denen 1:1 oder in Gruppen entlang Projekten oder Abteilungen kommuniziert werden kann. Dabei ist sogar einen Threaded Conversation zu einem einzelnen geteilten Inhalt möglich, wodurch selbst bei Gruppenchats für Übersichtlichkeit gesorgt ist. Mithilfe von RingCentral Zoom kann innerhalb der Chats sogar ein Audio- und Video-Telefonat samt Bildschirmfreigabe mit bis zu 200 Teilnehmern gestartet werden. Der Einbeziehung externer Teilnehmer mit firmenfremden Email-Adressen sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Via Drag & Drop können in Chats jegliche Dateien versendet werden. Darüber hinaus ermöglicht Glip die Erstellung von Meetings und expliziten Aufgaben.

Nebenher befindet sich innerhalb das Dashboard ein Zugang zum nützlichen Glip Kalender. Dieser zeigt alle erstellten Meetings aus den Chats und kann mit Applikationen wie dem Google oder Outlook Kalenders synchronisiert werden. Bisher handelt es sich leider um eine One-Way-Synchronisation. Änderungen des Glip-Kalenders werden also nicht automatisch im extern verknüpften Kalender anderer Applikationen aktualisiert. Termine können selbstständig Deadlines, Wiederholungsintervalle und Zuständigkeiten durch die Verlinkung von Kontakten zugeordnet werden. Ähnlich wie bei Wunderlist enthält das Tool einen Bereich mit Listen für das gemeinsame Aufgaben-Management. Innerhalb der Listen können spezifische Sortierungen und Filter vorgenommen werden, um die Übersicht bei einer größeren Aufgabenflut zu behalten.

 

 

Weitreichende Integrationsmöglichkeiten durch gelungene APIs & SDKs

Glip hält an dem üblichen umfangreichen Integrations-Portfolio der Branche fest und lässt dabei keinen Wunsch unerfüllt. Integrationen wie Asana, Jira, Trello, Zendesk, Stripe, GitHub und Salesforce können out of the Box eingebunden werden. Mit Hilfe neuer Updates und der permanenten Erweiterung des Portfolios durch neue Plugins, stehen Nutzern stets aktuellste Entwicklungsstandards zur Verfügung. Durch die veröffentlichten APIs und SDKs versteht sich Glip als Plattform für selbstständige Anpassungen oder Erweiterungen entsprechend unternehmenseigener Ansprüche. Ein Design-Customizing der App ist leidr nicht möglich, grenzt dessen Funktionalität aber auch nicht ein.

 

Bots definitly needed!

Bisher besitzt Glip leider keinerlei Bots, die in Konversationen eingebunden werden können und stellt sich damit, hinsichtlich des technologischen Fortschrittes, hinter direkten Konkurrenten an. Auskünfte darüber, ob eine Entwicklung und Implementierung der künstlichen Intelligenz innerhalb von Glip geplant sei, sind nicht bekannt.

 

Hosting - eine wolkige Angelegenheit

Das Add-On von RingCentral ist rein cloudbasiert. Sämtliche Dienste sind über die Amazon Web Services in Virginia und Oregon ausgelagert.

Somit besteht für europäische Großkunden die Problematik, dass Unternehmensdaten ausschließlich auf amerikanischen Servern landen und dies den eigenen Datenschutzkonformitäten widersprechen könnte. Bezüglich der Verschlüsselung arbeitet RingCentral durch die Nutzung von SRTP mit Verwendung des AES Kryptosystems in Kombination mit Transport Layer Security bereits mit modernsten Standards. 

 

Schön bepackt & fair gepreist

Bereits in der kostenlosen Version Glip Free gibt es, außer der Dauer der Videotelefonate, bezüglich Speicherkapazität, Anzahl der Integrationen und Anzahl der User keinerlei Grenzen. Im ersten kostenpflichtigen Modus Glip Basic für monatlich 5$ pro Nutzer erweitert sich das Pensum der Videotelefonie von 500 auf 1.000 Minuten pro Nutzer. Der Glip Pro Account für monatlich 10$ pro Nutzer erweitert die Kapazität der Videotelefonie personenbezogen auf jeweils 3.000 Minuten. Außerdem erhöht sich die Priorität des Supports und eine Offline-Vorratsdatenspeicherung sowie dessen Adminisitration. Dies unterstützt beispielsweise die Regularien von Finanzunternehmen, die dazu verpflichtet sind, kann aber auch jedem Unternehmen dabei helfen, ein Sicherheits-Backup der Unternehmenskommunikation zu erhalten.

Alle drei Buchungsoptionen sind im Kontrast zur Konkurrenz sehr umfassend gebündelt und vergleichsweise günstig. Dies wird besonders im Vergleich zum direkten und optisch sehr ähnlichen Mitkonkurrenten Slack deutlich.

 

Gelungenes aber begrenzt skalierbares und wolkiges Add-On

Insgesamt punktet Glip durch die Erweiterung des Enterprise Messaging Add-Ons mit den Projektmanagement-Funktionen. In Anbetracht dessen und der offen zugänglichen APIs und SDKs stellt Glip mit seinem Umfang ein vergleichsweise günstiges Tool der Branche dar.

Kritikpunkt der amerikanischen Applikation von RingCentral ist die rein cloudbasierte Verfügbarkeit, unter ausschließlicher Nutzung der Amazon Web Services. 

Sollte dieser Aspekte sinnvoll verbessert werden, sehen wir in Glip einen günstigeren und funktional noch umfassenderen Konkurrenten Slacks, der allerdings nur für Unternehmen in Frage kommt, die kein Problem in einer Datenhaltung auf amerikanischen Servern sehen.