Next Level Enterprise Messaging: NetSfere

Enterprise Messaging war ein großes Trendthema des Jahres 2017. Das Interesse von kleinen wie großen Unternehmen an der stetig wachsenden Zahl an Lösungen scheint nach wie vor immens und wird uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Neue Hersteller ergründen den Markt, bestehende Enterprise Messenger werden - meist um Kollaborationsmöglichkeiten - weiterentwickelt und das Angebot wird immer bunter. Um dieser Dynamik gerecht zu werden, möchten wir mit dieser Blogreihe an unser erstes Whitepaper „Enterprise Messaging - WhatsApp für Unternehmen?“ anknüpfen und ein umfassendes Update zur aktuellen Marktsituation von Enterprise Messaging geben. Als Ergebnis dieser Arbeit werden wir Mitte März 2018 eine Neuauflage unseres Whitepapers veröffentlichen, das neben einer neuen Evaluierung anhand von Use Cases zudem eine Reihe an interessanten Customer Success Stories mit verschiedenen Messengern enthalten wird.

 

Heute im Fokus: NetSfere. Die in Chicago ansässige, treibende Kraft hinter der Software ist Infinite Convergence, ein Unternehmen, das sich 2010 durch den Zusammenschluss von Infinite Computer Solutions und ehemals Motorola (heute Nokia) etablierte.

Aufgrund der klaren Positionierung als Enterprise Messaging Tool mit herausragenden Sicherheitsstandards, begibt sich NetSfere in direkte Konkurrenz zu SIMSme Business oder Teamwire - zwei deutsche Anbieter, die gleiches Sicherheits-Versprechen abgeben. Klarer Unterschied zu Beginn: NetSfere ist das Hybrid-basierte Äquivalent zur On-Premise Lösung von SIMSme Business und dem Hybrid-Messenger Teamwire. Auch der Preis des Tools, das in 3 Varianten angeboten wird, hebt sich von der Konkurrenz deutlich ab. Das Enterprise Paket kostet monatlich 7$ pro Nutzer. Die verschiedenen Angebote variieren jeweils im funktionalen Umfang

 

 

Coole Features, aber auch Verbesserungspotenzial

Beim Testen wird zudem schnell klar, dass der Fokus von NetSfere eindeutig auf klassischem Messaging liegt. Innerhalb einzelner Streams sind Direkt- und Gruppenkonversationen sowie verschlüsselte Audio-Calls möglich. Auch wenn Video-Telefonie in den Funktionalitäten bisher nicht inbegriffen ist, trumpft das Tool mit Video Live Streaming inklusive Ende-zu-Ende Verschlüsselung.

Im Vergleich zu SIMSme wächst NetSfere damit über die klassischen Messaging-Funktionen hinaus, bleibt aber in der finalen Umsetzung nicht konsequent genug. Aspekte wie Like-Interaktionen und das Favorisieren geteilter Inhalte werden derzeit nicht bedient. Wiederum ist zumindest im Browser- und der Mobile Applikation Threaded Conversations möglich, wodurch selbst umfangreiche Gesprächsverläufe übersichtlicht bleiben. Leider ist die Suchfunktion lediglich auf das Finden von Personen sowie Gruppen optimiert, nicht aber auf das Wiederfinden von Dateien oder Nachrichten. Zusätzlich wird die Limitation der Softwaresprache auf Englisch eine Hürde für deutsche Unternehmen darstellen. All dies birgt in unseren Augen zum jetzigen Zeitpunkt gewisse Einschränkungen der User Experience. Wiederum wird laut eigener Angaben bereits an der Mehrsprachigkeit und der Optimierung der Suchfunktion gearbeitet.

Positiv sticht das Guest User Feature hervor, mit dem externe Nutzer durch einen URL-Zugang einfach an Konversationen beteiligt werden können. Außerdem verfolgt das Tool einen klassischen Multi-Device-Ansatz und optimiert den alltäglichen Nutzen durch die Integration von Push-Notifications, einerSnooze-Funktion und der Location-Sharing Möglichkeit.

 

Cloud-basiertes Messaging 

Dank Ende-zu-Ende Verschlüsselung weist NetSfere erstklassigen Schutz für Konversationen sowie unternehmensinterne Daten auf und setzt mit dem Secure Real-Time Transport Protocol (SRTP), basierend auf dem 256-AES Algorithmus, auf eine der derzeit modernsten Verschlüsselungsformen. Auf dem amerikanischen Markt erfüllt das Enterprise Messaging Tool bereits die gegenwärtige Datenschutz-Regularie HIPPA (Health Insurance Portability and Accountability Act). Inwieweit das Tool die bevorstehende europäische Datenschutz-Grundverordnung DSGVO der deutschen Wirtschaft erfüllt wird sich im Mai 2018 zeigen.

Auch wenn NetSfere extra auf die in Frankfurt gehostete vCloud zurückgreift, stellt Cloud-Hosting einigen deutschen Unternehmen weiterhin ein Dorn im Compliance-Auge dar. Gut also, dass das Tool neben der Cloud-basierten Form auch als On-Premise- und Hybrid-Lösung zur Verfügung steht und sehr hohe Sicherheitsstandards aufweist. Diese Flexibilität stärkt die sicherheitsorientierte Position am Markt.

 

Weniger ist mehr?

Insgesamt verzichtet das Tool komplett auf Integrationen. Gründe hierfür könnte die Ablenkung vom reinen Messaging-Fokus, als auch die mögliche Beeinträchtigung des Sicherheitsstandards des Systems sein, der bei herstellerfremden Integrationen variiert. Demzufolge kann man diesem Verzicht aus Sicherheitsperspektive wenige Vorwürfe entgegenstellen. Die User Experience des Tools als Teil des Digital Workplace wird jedoch deutlich abgewertet. Einen verfügbaren Bot, der bei offenen Fragen Rat und Tat zur Seite steht, bettet der Enterprise Messenger standardmäßig direkt als einzelnen Stream mit ein.

 

Fazit

Gemäß aktuellen Sicherheitsstandards ist NetSfere definitiv eines der sichersten Enterprise Messaging Tools am Markt. Die Tatsache, dass es es sich bei Infinite Convergence um ein US-amerikanisches Unternehmen handelt, schwächt die Marktposition allerdings deutlich gegenüber deutschen Lösungen. 

Zwar trifft dies nicht auf den Funktions- und Technologie-Umfang zu, jedoch bezeichnet sich der Dienst hinsichtlich dieses Kriteriums auch nicht als den Superlativ seiner Branche. Künftig sollte der Fokus auf das reine Messaging in unseren Augen noch konsequenter verfolgt werden und das Tool mehrsprachig verfügbar sein, um unnötige Onboarding-Hürden für deutsche Unternehmen zu umgehen. Auch die Integrationen sicherer Drittsysteme sollte überdacht werden, um dem Zielbild eines produktiven Enterprise Messengers als Teil des Digital Workplace näher zu kommen.