Next Level Enterprise Messaging: Stashcat

Enterprise Messaging war ein großes Trendthema des Jahres 2017. Das Interesse von kleinen wie großen Unternehmen an der stetig wachsenden Zahl an Lösungen scheint nach wie vor immens und wird uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Neue Hersteller ergründen den Markt, bestehende Enterprise Messenger werden - meist um Kollaborationsmöglichkeiten - weiterentwickelt und das Angebot wird immer bunter.

Um dieser Dynamik gerecht zu werden, möchten wir mit dieser Blogreihe an unser erstes Whitepaper „Enterprise Messaging - WhatsApp für Unternehmen?“ anknüpfen und ein umfassendes Update zur aktuellen Marktsituation von Enterprise Messaging geben. Als Ergebnis dieser Arbeit werden wir Anfang des Jahres 2018 eine Neuauflage unseres Whitepapers veröffentlichen, das neben einer neuen Evaluierung anhand von Use Cases zudem eine Reihe an interessanten Customer Success Stories mit verschiedenen Messengern enthalten wird.

 

Geheimversteck Katze entert Messaging Markt

Waren Katzen schon in der Antike heilig, avancierten diese im Internetzeitalter längst zum viralen Hit und scheinen nun auch in der digitalen Unternehmenskommunikation „Pfötchen“ zu fassen. Im Fokus unserer heutigen Review steht das Messaging Tool „Stashcat“ der heinekingmedia GmbH aus Hannover. Das Unternehmen bewies besonders viel Einfallsreichtum bei der Namensgebung ihres Messaging Tools: „Stash“ steht im Unternehmensverständnis für „sicher lagern“. In Kombination mit „cat“, ergibt sich laut Beschreibung auf der Unternehmenswebsite eine Metapher für das „Geheimversteck Katze“. In unserer Testphase zeigte das Tool viel Anwendungspotential, welches jedoch noch nicht ausgereift ist.

 

User Interface & Usability

Der Messenger erinnert auf den ersten Blick etwas an den Custom Facebook Messenger. Stashcat setzt auch auf einen Blauton, welcher laut Firmenbeschreibung mit Verlässlichkeit und Sicherheit assoziiert wird. In Sachen UI wirkt Stashcat nicht innovativ, fällt damit aber weder positiv noch negativ auf. Die Oberfläche ist auf Minimalismus und Einfachheit getrimmt. Hinsichtlich der Usability einzelner Funktionen gibt es jedoch großes Verbesserungspotential. Zwar stellt das Tool viele standardmäßige Messaging Features bereit und will durch die Integration weiterer aus dem Bereich Social Media glänzen - was jedoch nur zum Teil smart umgesetzt wurde. Nicht jede Funktion wirkt intuitiv zugänglich oder erschließt sich auf Anhieb.

Stashcat fokussiert sich klar auf den Austausch der Nutzer in Einzel- und Gruppenchats oder Channels. Eine Nutzerbegrenzung gibt es hierbei nicht. Über die Chats und Channels können Textnachrichten, Fotos, Sprachnachrichten, Standortdaten sowie Dateianhänge aller gängigen Dateiformate versendet werden. Alle im Verlauf geteilten Dokumente lassen sich vor allem am Desktop schnell wiederfinden, da sie in der Dokumentenablage am rechten Rand chronologisch aufgereiht und gesucht werden können.          

Bei der Funktionalität der Einzel- und Gruppenchats fällt schnell auf, dass es nicht möglich ist, nachträglich weitere Nutzer in die Konversation mit aufzunehmen. In diesem Fall benötigt es wiederum Channels, die bei Stashcat mit einem # deklariert sind. Der Hashtag hat allerdings keine weitere Funktion oder Bedeutung.

Channels funktionieren identisch wie Gruppenchats und bieten Chatfunktionen für eine ganze Abteilung innerhalb des Unternehmens. Nutzer können selbstständig offenen Channels beitreten oder auf Einladung des Admins in geschlossene Channels eingeladen werden. Dabei muss gegebenenfalls ein Initialpasswort eingegeben werden, welches zuvor vom Administrator festgelegt wurde. Um immer Up-to-date zu sein, können Nutzer Push-Benachrichtigungen über Aktivitäten aus dem Channel genehmigen. Eine hilfreiche Funktion zur Orientierung sollte die Suchmaske für Channels sein, wobei sich jedoch wieder eine Usability Schwäche zeigt. Es dürfen keine vorangestellten Hashtags in der Suche verwendet werden, in diesem Fall würden die ausgezeichneten #Channels nicht gefunden.

 

Features

Stashcat ist sowohl im Browser als auch via Desktop und Mobile App für Android und iOS verfügbar. Zu beachten ist, dass erweiterte Einstellungen wie beispielsweise zur Sprache, Privatsphäre oder Endgeräte-Verwaltung sowie verschiedene Funktionen, lediglich am Desktop vorgenommen werden können. Insgesamt weist die Mobile App noch viele Lücken oder Umwege auf, die der User in Kauf nehmen muss. Vor allem das Versenden und Wiederfinden von Dateien gestaltet sich auf dem Smartphone als problematisch.   

Weitere Funktionen wie das Einrichten eines eigenen Profilbilds oder das Markieren von Nachrichten sind zwar auf allen Endgeräten verfügbar, jedoch nicht besonders anwenderfreundlich. Wird eine Nachricht mit einem „Like“ versehen, was aktuell auch nur am Desktop funktioniert, bekommt der Verfasser weder eine Notification darüber, noch kann er identifizieren, wer seine Nachricht geliked hat. Eine Threaded Conversation ist in Channels oder Chats ebenfalls nicht möglich. Dafür können wichtige Nachrichten zwar markiert werden, die Sichtbarkeit der markierten Nachricht im Chat ist jedoch sehr spärlich. Abhilfe könnte hier die globale Suchfunktion schaffen, welche sich jedoch im Test nicht besonders suchfreudig zeigte und markierte Nachrichten nicht wiederfand. Eine separate Ablage aller markierten Nachrichten ist bis jetzt nicht verfügbar, soll jedoch laut Unternehmen bald eingeführt werden.

Jeder Nutzer wird standardmäßig mit 1GB Cloud Speicher ausgestattet, was Umwege über andere Anbieter spart. Der Cloud Speicher kann gegen Aufpreis erweitert werden. Ein cooles „kollaboratives“ Feature hält Stashcat auch bereit: Dokumente und Ordner können ohne Probleme aus der Cloud mit anderen Personen außerhalb von Stashcat geteilt werden. Dafür kann eigens ein passwortgeschützter Link generiert werden, der auch jederzeit wieder deaktiviert werden kann.

Ein weiteres interessantes Feature ist die interne Übersetzungsfunktion von Nachrichten. Ausgewählte Nachrichten können markiert und übersetzt werden. Die Funktion ist im Moment ausschließlich zwischen Deutsch und Englisch verfügbar und funktioniert in der Desktop- und Webanwendung. Unternehmen, die besonders viel Wert auf Custom Branding legen, können auf Anfrage die App im individuellen Unternehmenslayout gestalten. Der Umfang des Brandings ist laut Hersteller nicht begrenzt und Verhandlungssache.

Kommunikation über Sprach- und Videotelefonie oder Screenhharing sind im Moment noch nicht verfügbar. Auch die Erweiterungsmöglichkeiten oder die Integration von Bots bleibt Stashcat bisher schuldig. Hier will man in naher Zukunft nachrüsten.

 

Sicherheit, Hosting & Pricing

„Sicherer Manager für Unternehmen und Behörden“ lautet die Marschroute. Um eine abhörsichere, datenschutzkonforme Kommunikationslösung anzubieten, werden bei Stashcat Nachrichten und Dokumente über alle Übertragungswege hinweg Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das Hosting erfolgt auf deutschen Servern in einem Hochsicherheitszentrum in Hannover. Um den Datenaustausch zwischen Servern und Endgerät abzusichern wird eine 256 Bit AES SSL/TLS Verschlüsselung verwendet Wem das nicht ausreicht, der kann den Dienst aber auch On-Premise auf eigenem Server hosten. Zusätzlich können die Nutzer ihr Endgerät mit einem Pin Code ausstatten um bei Verlust des Endgerätes die Daten zu schützen.

Angefügt werden sollte, dass das Beratungsunternehmen für Informationssicherheit CIPHRON GmbH aus Hannover Schwachstellen in den kryptographischen und sicherheitsgebenden Funktionen des Messengers gefunden hat, die aber seitens der heinekingmedia GmbH beseitigt wurden.

Das Pricing wird laut Aussage der heinekingmedia GmbH meist individuell verhandelt. Anwender müssen mit einem Preis zwischen 3,00€ und 4,00€ pro Nutzer im Monat rechnen. Eine kostenlose Basisversion zum testen kann zur Verfügung gestellt werden.

 

Fazit: Kernkompetenzen überzeugen, viel Luft nach oben!

Seine Stärken hat Stashcat eindeutig in seinem Kernkonzept: die Vernetzung von reinem Messaging und Dokumentenablage. Hier zeigt sich das Tool besonders intuitiv und vereinfacht den schnellen und sicheren Austausch von Nachrichten und Dateien untereinander. Interessante Anwendungen á la Übersetzungsfunktion oder Custom Branding und die hohen Sicherheitsstandards wissen im Ansatz zu gefallen. Verbesserungspotential zeigt sich besonders in der Usability der Anwendung sowie der schwach augestatteten Mobile App. Einzelne Funktionen wie Liken von Nachrichten oder die Suchmaske erfüllen nicht ihren Zweck und verpassen es damit aktuell einen Mehrwert darzustellen. Durch das Fehlen einer richtigen „threaded conversation“ kann es sehr schnell unübersichtlich in den einzelnen Chats werden. Die spärliche Markierungsfunktion schafft hier kaum Abhilfe.

Unterm Strich ist Stashcat für Unternehmen und Behörden interessant, die auf der Suche nach einem reinen Messaging Tool sind und besonders viel Wert auf den einfachen und sicheren Austausch von Dokumenten legen. Auf klassische Collaboration Use Cases, die über den Austausch von Kommunikationen hinausgehen, wird vorerst verzichtet. Das macht gar nichts, vielmehr sollte das schon vorhandene Anwendungspotential und der Funktionsumfang der Mobile App verbessert werden. Erst dann kann Stashcat wirklich "Pfötchen" fassen gegenüber der etablierten Enterprise Messaging Konkurrenz.