Season 2: Enterprise Messaging – Beekeeper und Google Hangouts

Enterprise Messaging ist ein Trendthema und wird für immer mehr Unternehmen eine ernsthafte Alternative zur herkömmlichen Unternehmenskommunikation oder dem unsicheren Austausch via WhatsApp. Das Interesse der Unternehmen an diesen Lösungen scheint immens, was das Feedback zu unserem Webinar und Whitepaper zu selbigem Thema eindrucksvoll gezeigt hat. Dieses Potential haben auch die Anbieter solcher Enterprise Messaging Tools erkannt und immer mehr Unternehmen möchten ein Stück von diesem Kuchen abbekommen. Neue Lösungen entstehen, bestehende Messaging Anwendungen werden weiterentwickelt, oftmals um Kollaborationsmöglichkeiten, und der Markt wird somit immer bunter.

Um diesem schnelllebigen und dynamischen Markt gerecht zu werden, möchten wir einige „Neulinge“ der Szene präsentieren. Aufbauend auf unser Whitepaper zum Thema Enterprise Messaging, in dem wir die Tools HipChat, Slack, Mattermost, Teamwire, Circuit, Facebook Workplace und Microsoft Teams getestet haben, soll nun eine weitere kleine Testreihe folgen, in der wir insgesamt sechs weitere Enterprise Messaging Tools vorstellen möchten. Heute im Test: die Lösungen des Schweizer Unternehmens Beekeeper und des Tech-Riesen Google.

 

Beekeeper

Die Anwendung des Unternehmens mit Sitz in Zürich und San Francisco kann nicht als reine Enterprise Messaging App bezeichnet werden. Vielmehr legt das Unternehmen den Fokus auf ein mobiles Intranet – eine App für jeden Mitarbeiter, ob on- oder offsite. Beekeeper verfolgt dabei das Ziel, Unternehmen eine ubiquitäre Kommunikationsplattform zur Verfügung zu stellen und wurde mit Ihrer Lösung erst kürzlich von Gartner als „Cool Vendor 2016“ in der Kategorie „Social Software und Collaboration“ ausgezeichnet. Unternehmen können mit Beekeeper alle ihre Mitarbeiter erreichen, also auch solche, die über keinen direkten Intranetzugang über einen PC verfügen. Zur besseren Kollaboration innerhalb von Teams stellt Beekeeper außerdem einen verschlüsselten Messaging-Dienst zur Verfügung, der Direktnachrichten und Gruppennachrichten ermöglicht. Es können administrationsseitig Newsstreams angelegt werden, die entweder wie ein klassisches Intranet top-down redaktioniert oder auch durch Bottom-Up-Kommunikation gefördert werden können. So haben Mitarbeiter die Möglichkeit, Bilder, Videos oder Dateien zu posten, aber auch eigene Umfragen zu erstellen.

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viele Automatisierungs- und Erweiterungsmöglichkeiten

Das umfangreiche, aber sehr intuitive und selbsterklärende Dashboard ermöglicht es den Administratoren, über Beekeeper Workflows zu automatisieren, Kampagnen wie bspw. personalisierte News für bestimmte Mitarbeitergruppen zu starten, Umfragen zu erstellen oder auch Mitteilungen zeitlich zu planen und festzulegen. Es können automatisiert verschiedene Benachrichtigungen voreingestellt werden, um neue Mitarbeiter zu begrüßen oder Nutzer mit besonders wertvollen Beiträgen zu prämieren. Ferner kann Beekeeper sowohl in alle relevanten IT-Systeme des Unternehmens integriert, über Drittanbieter-Tools wie Zapier mit zahlreichen Apps und Bots erweitert und auch an das Corporate Design des Unternehmens angepasst werden. Beekeper ist als Web Client, Mobile Client (iOS/Android) und auf kundenspezifische Anfrage auch als Desktop Client erhältlich.

Die Daten von Beekeeper werden in Datenzentren von AWS oder Interroute in einer geteilten, aber privaten Cloud als SaaS gehostet, welche den international anerkannten ISO-27001-Normen entspricht. Beekeepers Preismodell beginnt bei 99 € pro Monat für 20 Mitarbeiter in der Light-Version, geht über die Professional Version für 399 € pro Monat inkl. 100 Mitarbeiter hinaus bis hin zu der kundenspezifischen Enterprise Version für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.

 

Mobile Intranet first, Messaging second: Um auch wirklich jeden Mitarbeiter zu erreichen

Beekeeper ist insbesondere für größere Organisationen interessant, die eine dezentrale Struktur aufweisen und viele Mitarbeiter beschäftigen, die keinen direkten Zugang zum Intranet des Unternehmens haben. Als reine Messaging App ist Beekeeper sicherlich nicht die erste Wahl, da der Fokus ganz klar auf mobilem Intranet liegt. So ist die Messaging-Funktion auf das reine Austauschen von Textnachrichten bzw. Fotos beschränkt.

 

Google Hangouts

Der Messaging-/VoIP-Dienst von Google soll nun spätestens im Sommer 2017 durchstarten und für Business User eine echte Alternative zu den größten Konkurrenten wie Slack oder Microsoft Teams werden. Mit Hangouts, das bereits seit 2013 existiert und seitdem auf dem Messaging-Markt eher belächelt wurde, kann man einzeln oder in Gruppen chatten sowie Video- und Sprachanrufe mit bis zu 30 Personen starten, ohne sich registrieren zu müssen. Ein Google Account ist dabei natürlich Grundvoraussetzung.

Ab Ende April 2017 will der Konzern den VoIP-Dienst nun stärker auf Unternehmen ausrichten und endlich auf dem Markt etablieren. Bisher funktionierte Hangouts zwar sowohl auf dem Desktop als auch mobil sehr gut und intuitiv, fand jedoch mangels USP und definierter Zielgruppen kaum Nutzer. Das Meer aus Anwendungen à la Google Plus, Gchat, Project Fi usw. machten eine konkrete Positionierung von Hangouts als Messaging Tool nahezu unmöglich.

 

Identitätskrise überwinden

Die Kernfunktionen von Hangouts sollen sich daher künftig ausschließlich auf Googles Stärken konzentrieren und vorrangig Business User ansprechen. Die Einbindung in Docs und Sheets ermöglicht beispielsweise eine Dokumentenfreigabe direkt aus einem Hangouts Team heraus und erweitert somit die potenziellen Use Cases um Collaboration-Aspekte. Außerdem soll auch eine stark verbesserte Suchfunktion integriert werden, die es erlaubt nach Rooms, Personen, Dateitypen oder sogar geteilten Links zu filtern.

Google will außerdem Erweiterungsoptionen in Hangouts integrieren und Usern ermöglichen „App-Skripte“ zu erstellen und somit Bots oder Drittanbieter-Anwendungen in Chats einzubinden. Out of the box ist bereits ein Bot namens @meet verfügbar, der zum Beispiel die Google-Terminkalender aller Chat-Teilnehmer checken und automatisch passende Meeting-Termine vorschlagen kann.

 

Optimal für Google Fans, denen Datenschutz nicht so wichtig ist

Google setzt mit Hangouts jedenfalls genau wie Microsoft mit Teams darauf, dass das Gesamtpaket ihrer Anwendungen schließlich den Unterschied zu Alternativen wie Slack ausmachen wird und man bei Business-Kunden punkten kann, die ihre interne Kommunikation ohnehin bereits mit Google-Anwendungen wie Gmail, Doc oder Calender koordinieren. Ob man in Sachen Datenschutz und Sicherheit dabei auf das US-Unternehmen vertrauen kann, ist wieder eine andere Frage.

Google verwendet aktuell keine End-to-End Encryption für Hangouts, was bedeutet, dass Behörden sowie Google selbst jederzeit auf Unterhaltungen und Dateien zugreifen könnten. Inwieweit es bei der Umstellung für Business-Kunden auch hierbei Anpassungen geben wird, ist noch nicht bekannt.

Ob man letztlich auch in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber der Konkurrenz punkten kann, bleibt ebenfalls offen. Bisher ist nicht bekannt, welche Funktionen kostenlos und welche kostenpflichtig zur Verfügung stehen werden. Aktuell stehen Business Features nur Unternehmen zur Verfügung, die Teil von Googles „Early Adopter Program“ sind. Man kann aber davon ausgehen, dass einige Business Features auch später auf G-Suite User limitiert sein werden. Für „normale“ Gmail-Nutzer wird es wohl zunächst ein Freemium-Modell mit umfangreichen Testmöglichkeiten geben.

 

Bildnachweis: Titelbild © pexels.com