Season 2: Enterprise Messaging - SIMSme & Newsio

SIMSme

Bereits im August 2014 schickte die Deutsche Post AG ihren hauseigenen Messenger "SIMSme" auf den boomenden Markt. Dieser sollte ursprünglich im Privatkundensektor dem US-Pendant WhatsApp Konkurrenz machen und vor allem mit den Aspekten Sicherheit und Datenschutz überzeugen. Besonders die abhörsichere Übermittlung von Daten mit zertifizierter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die sogar den technischen Richtlinien des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik entspricht und dem Hersteller zufolge regelmäßigen externen Audits unterzogen wird, ist ein großer Vorteil von SIMSme. Da in den letzten Jahren jedoch nur marginale Marktanteile gewonnen werden konnten und trotz deutschen Servern und Datenschutz kaum jemand SIMSme als privaten Messenger in Erwägung zu ziehen scheint, setzt die Deutsche Post nun auf Geschäftskunden und erweiterte sein Tool um zwei weitere App namens "SIMSme Business" und "SIMSme Corporate".

Umfangreiches Messaging-Erlebnis und immer die höchste Sicherheitsstufe

Die Business Versionen sollen die Kommunikation in Unternehmen vereinfachen, auf sichere Beine stellen und sind an jede Unternehmensgröße flexibel anpassbar. Die Funktionen rund um den sicheren Austausch von Text- und Sprachnachrichten, Bildern, Videos, Kontakten, Standorten und Dateien mit einer Größe von maximal 20 MB bauen dabei auf die weiterhin bestehende Customer Version auf. Auch das Abonnement sogenannter Broadcast-Listen, das im privaten Gebrauch Kanäle von Kicker, FAZ, Giga und vielen Weiteren bietet, kann im Business Messenger flexibel eingesetzt werden. Vertrauliche Nachrichten wie Zugangsdaten oder PIN-Codes können weiterhin mit einer Selbstzerstörungsfunktion à la Snapchat versehen oder zu einem definierten Versandzeitpunkt verschickt werden. Hierzu kann der Business-Kunde entweder einen Countdown oder ein definitives Verfallsdatum setzen, sodass die Nachricht nur für eine bestimmte Zeit zu sehen ist. Der Business-Messenger bietet darüber hinaus ein Adressverzeichnis, über das sich andere Nutzer finden und kontaktieren lassen, die dieselbe E-Mail-Endung verwenden.

Next Level: Business vs. Corporate

Zur Einführung der Android-Version von "SIMSme Business" Anfang des Jahres 2017 konnten interessierte Unternehmen den Messenger kostenlos testen. Nach der 30-tägigen Testphase kostet "SIMSme Business" dann 3€ pro Nutzer und Monat. Größere Unternehmen, die ihre gesamte Kommunikation dem Tool der Deutschen Post anvertrauen möchten, können auch "SIMSme Corporate" mit weiteren Funktionen wie Backend-basiertem Nutzer-Management, App-Branding nach CI, umfassendem Support und Reportings oder eigenem System-Chat buchen.

Von der Corporate-Lösung können somit vor allem große Unternehmen mit Vertriebs- und Servicestrukturen, Behörden sowie der öffentliche Dienst profitieren. Der Preis hierfür wird individuell ausgehandelt. Die Einführung von SIMSme, egal in welcher Version, wird zudem durch die Möglichkeit von MDM/EMM-Integrationen vereinfacht.

Insgesamt besticht SIMSme in allen Versionen mit einem angenehmen "Look and Feel" und lässt sich intuitiv nutzen. Sowohl für den privaten Gebrauch, als auch für Unternehmen, sollte der nicht zu übertreffende Sicherheitsaspekt ein wichtiger Faktor sein. 

Newsio

Das Start-Up Newsio wurde 2014 in Kopenhagen gegründet und fokussiert sich mit seiner Lösung auf die Kommunikation innerhalb von Teams, "threaded conversations" und die externe Werbung durch eigene Mitarbeiter. Newsio verspricht mit seiner Anwendung die besten Collaboration Features aus E-Mail, Intranets und Team Messaging Tools zu vereinen und diese noch 10 Mal besser zu machen. Das ist eine sehr anspruchsvolle Ansage und wir konnten uns in unserem Test ein Bild von der skandinavischen Messaging-Lösung machen.

Threaded-Conversation, Streams und "lasset jeden Mitarbeiter Brand Ambassador sein"

Im Gegensatz zu anderen Enterprise Messaging Tools, wo in verschiedenen Channels miteinander diskutiert werden kann und Nachrichten schon einmal untertauchen, liegt bei Newsio der Fokus auf den sogenannten „threaded conversations“. Obwohl dieses Feature als Kommentarfunktion auch in Microsoft Teams, Teamwire, Circuit und Mattermost auftaucht, bietet Newsio eine Besonderheit in dem strukturellen Aufbau des Interfaces (Browser und Desktop). Auf der linken Seite befindet sich die entsprechende Gruppe mit den einzelnen thematischen Threads und auf der rechten Seite befindet sich der entsprechende Nachrichtenverlauf. So können auch Mitglieder nur für einzelne Diskussionsthreads hinzugefügt werden und müssen nicht einem ganzen Channel angehören.

Die Startseite der Anwendung stellt der Home Feed dar, der alle Nachrichten aus allen Gruppen und Threads bereitstellt. Aus diesem kann dann auch direkt eine Nachricht verfasst werden und der jeweiligen Gruppe zugeordnet werden. Diese beinhalten die klassischen Instant-Messaging Funktionen, sprich das Teilen von Bildern, Dateien und Dokumenten. Der Browser- bzw. Desktop-Client unterstützt darüber hinaus das Teilen von Dokumenten via Drag&Drop. Demnächst soll auch Google Drive integriert werden, um noch schneller und direkter gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten. Eine Besonderheit bei den Chats ist sicherlich die Sharing-Funktion in externe Kanäle. So können Artikel oder Bilder direkt in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder LinkedIn geteilt werden, um Mitarbeiter als „Brand Ambassador“ einzusetzen. Dies ist auf der einen Seite ein sehr schönes Feature, um Mitarbeiter zu motivieren, über das Unternehmen zu berichten, sicherlich aber auf der anderen Seite auch eine Frage der Sicherheit, was aus Unternehmenssicht an die Öffentlichkeit gelangen darf und was nicht. Diesbezüglich hat der Admin allerdings die Möglichkeit, das Teilen von News bzw. Artikeln in externen Kanälen zu restriktieren. Der Admin kann ebenfalls Mitglieder verwalten und Auswertungen fahren. Eine Active Directory Anbindung soll auch bald verfügbar sein.

Darüber hinaus können Content Streams angelegt werden. So können Mitarbeiter über wichtige Informationen stetig auf dem Laufenden gehalten werden. RSS-Feeds, Blogs oder Youtube-Kanäle können diesbezüglich integriert werden. Als pratkisches Add-On sind zudem die Browser Plugins zu nennen, mit denen man Bookmarklets im jeweiligen Browser integrieren kann, um direkt spannende Artikel oder News in der jeweiligen Gruppe zu platzieren. Smart Notifications bietet zudem eine „Snooze“-Funktion, wenn man nicht gestört werden möchte und kann gezielt für einzelne Gruppen gesteuert werden.

Beschränktes Instant Messaging-Erlebnis, dafür gute Brand-Ambassador Funktionen

Die „threaded conversation“-Systematik bringt Übersichtlichkeit, birgt aber auch einen Nachteil. Es können prinzipiell nur Nachrichten an alle Mitglieder der jeweiligen Gruppe versendet werden. 1:1 Nachrichten können dann nur in privat erstellten Gruppen erfolgen, in denen dann die entsprechende Person hinzugefügt wurde, was etwas umständlich ist. Das Premium-Angebot von Newsio beläuft sich auf 6$ pro Nutzer im Monat, erlaubt unbegrenzte Anzahl an Posts und telefonischen Support. Darüber hinaus ist ein unternehmensspezifisches Angebot auf Anfrage mit zusätzlichen Features möglich. Aktuell ist Newsio dabei nur als SaaS verfügbar und wird auf AWS-Servern in der EU gehostet.

Wer also eine sehr offene Kommunikationskultur pflegt, bewusst Mitarbeiter nach außen über das Unternehmen kommunizieren lassen möchte und dabei großen Wert auf Content bzw. Informationsbereitstellung legt, der trifft mit Newsio eine gute Wahl. Auch die Übersichtlichkeit der "threaded conversations" ist hervorzuheben. Auf der anderen Seite sind die reinen Messaging-Funktionen etwas beschränkt und nicht so intuitiv wie man es von Consumer Apps wie WhatsApp kennt.

 

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