Adobe's neues Tool „Social Communities“ sorgt für Spannung auf dem Markt

Ein weiteres Tool am Horizont

Natürlich sind wir immer auf der Suche nach neuen Technologien, die sich für die Umsetzung eines Social Business anbieten und beobachten deshalb den Markt aufmerksam, speziell wenn interne und externe Social Media Kanäle gleichermaßen abgebildet werden können. Seit letztem Monat gibt es mit „SoCo“ von Adobe einen sehr interessanten Neuzugang!

SoCo steht für Social Communities und ist eine Erweiterung des etablierten Content-Management-Systems (CMS) „Adobe Experience Manager“. Einigen wird der Name „CQ“ mehr sagen: Ursprünglich entwickelt von der Schweizer Firma „Day“ und Ende 2010 von Adobe übernommen. Bei den Technologie- und Marktforschungsunternehmen Gartner und Forrester wird der Adobe Experience Manager mittlerweile als führendes CMS bezeichnet und ist dort der Platzhirsch. Laut eigener Aussage bekommt der Bereich Collaboration bei Adobe nun auch einen großen Stellenwert und ein weiterer Ausbau von SoCo steht klar auf der Roadmap der folgenden Jahre.

Nun ja, es ist nicht das erste Mal, dass ein CMS Hersteller auf den Markt der Social Tools vorstößt. Drupal, Liferay, u.a. haben dies in der Vergangenheit erfolgreich gemeistert. Dies ist an sich also nichts Neues. Zudem liest sich die Liste der Funktionalitäten auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär: Es gibt Foren, Events, Diskussionen, Fragen & Antworten oder Blogs. Das ist zwar nett, erweitert aber das CMS nur um mittlerweile stark nachgefragte soziale Elemente. Warum sollte man sich diese Lösung dann unbedingt anschauen?

Volle Vision voraus!

SoCo könnte langfristig einer der interessantesten Neuzugänge am Markt werden. Denn Adobe's Aktivitäten der letzten Jahre zeigen eine starke Vision: Dem Softwaregiganten geht es nicht nur um den Ausbau der Marktmacht als führender CMS-Anbieter. Seit geraumer Zeit kauft der Softwarehersteller kräftig Lösungen ein, die ein viel größeres Bild ergeben:

  • 2010: Day mit CQ (nun umbenannt in Experience Manager)
  • 2011: Auditude, TypeKit und Nitobi (Videowerbeplattform, Einbindung von Schriften in Webapplikationen, Unterstützung mobiler Geräte)
  • Ende Juni 2013: NeoLane (Kampagnenmanagement) 

Adobe hat eine umfassende Vision - und möchte mit der Adobe Marketing Cloud die ultimative  Kollaborationsplattform für den modernen Marketing Manager schaffen. Dies ist nichts weniger als eine hoch-strategische Ausrichtung als Softwarehersteller. Denn das Budget für IT-Ausgaben bewegt sich immer mehr in Richtung Marketing, die IT-Abteilungen verlieren langsam an Entscheidungsmacht.

Im Mittelpunkt der Adobe Marketing Cloud stehen 5 Lösungen:

               - Experience Manager (Web Content Management),

               - Target (Digitales Marketing),

               - Social (Social Media Marketing),

               - Media Optimizer (eine Art automatisierte Mediaplanung) und

               - Analytics (Digitale Analysen).

(Bitte nicht verwechseln: Adobe Social hilft bei der Steuerung von Social-Media-Kanälen, Adobe Social Communities ist Teil des Adobe Experience Managers. Verwirrend dieser Produktdschungel...)

Diese Veränderung ist nicht nur bei Adobe zu beobachten. Die Web Content Management Tools entwickeln sich mehr und mehr weg von der reinen Verwaltung von Web-Inhalten, hin zu einem Basistool, um digitale Erlebnisse für Kunden (und bald auch Mitarbeitern?) zu steuern. Angereichert durch verschiedene Funktionalitäten, wie eben auch Social Communities. Statt als eigenständiges Tools muss man Social Communities daher im Gesamtkontext sehen. Laut Forrester hat Adobe zwar noch ein Defizit bei den E-Commerce-Funktionen, ansonsten aber ein beachtliches Portfolio. Und SoCo ist dabei klar auf der Roadmap.

Der Experience Manager

Der große Vorteil vom Experience Manager ist das einfach zu nutzende User Interface. Viele nützliche Komponenten gibt es schon vorkonfiguriert „out of the box“. Man kann diese beliebig selbst  zusammenstellen, und über die Autorenoberfläche konfigurieren oder erweitern.

Weitere Stärken sind:

  • Vielseitige Workflows
  • Digital Asset Management (DAM). Hier zahlt sich Adobes Erfahrung im Agenturbereich aus
  • Responsive Design
  • Anpassung ans Corporate Design - Anpassungen sind mit Hilfe einer Template Engine über CSS oder HTML unkompliziert machbar
  • die Möglichkeit sich zwischen SaaS oder eigenem Hosting (on premise) zu entscheiden
  • eine starke Suche - Adobe setzt (wie auch andere Social Tools) auf die Lucene Suchmaschine.
  • Multi-Language-, Multi-Brand- und Multi-Channel-Support

Natürlich ist der Experience Manager keine Allzweckwaffe und hat auch Schwächen. Wenn man mit vielen Dokumenten kollaborativ arbeiten möchte, ist man mit der SharePoint-Integration besser bedient. Auch wer vielseitige Wiki-Funktionalitäten plant, sollte eher ein anderes Tool nutzen oder dieses integrieren.

Der Experience Manager bzw. zuvor CQ stellt schon seit jeher den Redakteur in den Mittelpunkt und sprach daher eine etwas andere Zielgruppe an, als z. B. Social Intranets, die von hoher Mitarbeiterbeteiligung leben, oder Brand Communities, die u. a. Kunden motivieren sollen. Dies soll sich nun ändern und diese Vision sieht sehr vielversprechend aus.

Welche neuen Funktionen bringt SoCo?

  • Durch Soco wird auch ein Login mit Facebook oder Twitter angeboten. Basierend  auf den Daten aus dem Profil des jeweiligen sozialen Netzwerks kann der Inhalt der Website oder Community automatisch auf den Nutzer angepasst werden. Was in der praktischen Umsetzung mit SoCo viel einfacher geht als mit anderen Tools.

  • Da die Auswahl eines Produktes vor dem Kauf stark von der Meinung von Peer-Groups beeinflusst wird, sind Social Features hier besonders relevant. Bewertungen, Reviews und Kommentare können durch SoCo einfach integriert werden. Das Ergebnis sind Seiten, so wie man sie von Amazon kennt.
  • Es ist nun ohne Probleme möglich eine eigene Community aufzubauen. Neben den zu Anfang genannten Standardfunktionen wie Blogs oder Events, können die User auch ein Profil anlegen oder anderen Personen folgen - eben genau die Features, welche man von einer Community erwartet.

Natürlich hat der moderne Community Manager höhere Ansprüche an die Gestaltung und Verwaltung einer solchen Community:

  • Gamification kann ebenfalls umgesetzt werden: Badges sind konfigurierbar und ein Punktesystem mit einem Rechte- und Rollenkonzept verknüpfbar

 Für den organischen Aufbau einer Wissensdatenbank kann hilfreicher Content aus dem Forum zum Beispiel in eine Q&A-Sektion übernommen werden: umfangreiche Workflows machen es möglich.

  • Mit Hilfe einer neuen Bedienungsoberfläche für Moderatoren ist eine einfache Verwaltung des nutzergenerierten Inhalts realisierbar.
  • SoCo verwendet keine Datenbank - und ist daher sicherer als andere Foren.
  • Geschlossene Bereiche - wichtig für firmeninterne oder B2B-Communities - werden ebenfalls unterstützt.
  • Speziellere Anforderungen wie „User Managed Personalization“ sind machbar,  müssten jedoch programmiert werden.
  • Für Analysen gibt es „custom reports“. Diese müssen aber recht mühsam selbst zusammengeklickt werden. Besser bedient ist man hier mit Adobe Analytics, das nahtlos integriert werden kann, aber zusätzlich gekauft werden muss.

Referenzen

… gibt es noch nicht viele, da das Tool sehr neu ist. Allerdings hat Adobe im August sein eigenes Forum mit SoCo gestaltet und  gestartet.

Zur Skalierung braucht man sich also wohl nicht viele Sorgen zu machen: Wir alle kennen die Update-Erinnerungen vom Flash-Player oder Acrobat Reader. Dank diesen ist die Adobe Website  eine der meist frequentierten der Welt, das eigene Forum damit also eine gute Referenz.

Voraussetzungen

Um SoCo nutzen zu können braucht man minimal eine Autorenumgebung und eine Publishing Instanz vom Adobe Experience Manager als Basis. Dann SoCo und ggf. DAM (Digital Asset Management) als Module und schon geht's los. Aus der Anzahl der Redakteure ergibt sich dann der Preis.

Fazit

Mit dem neuen SoCo Modul ergeben sich viele neue Möglichkeiten, besonders für Marketing getriebene Communities. Wer sich für SoCo entscheidet, der entscheidet sich ein Stück mit auch für Adobe und die weitere Palette. Dafür kann man jedoch von Adobe als großen Hersteller einen guten Support und eine langfristige Vision erwarten. Aufgrund des guten ersten Eindrucks und dem reichhaltigen Portfolio gehe ich davon aus, dass wir mit Adobe nun einen Player auf dem Social-Software Markt haben, der auch langfristig von sich hören lassen wird.