Gamification Teil 2: Extranet-Gamification

Mit dem Thema Gamification wechseln wir jetzt von Intranetthemen zum Einsatz von Social Media in der externen Kommunikation. Wir fokussieren uns dabei auf die verschiedenen Aspekte von Brand Communitites.

Weihnachten. Zeit der gemütlichen DVD-Abende mit der ganzen Familie, nachdem man sich an der Gans satt gegessen hat. Soweit die Theorie. Nur: Was, wenn die Gans trotz des minutiösen Befolgens von Omas Rezept nicht braun wird? Oder der DVD-Player zwar vorschriftsmäßig angeschlossen ist, sich aber trotzdem kein Bild auf dem Fernseher zeigt? Dann kommt entweder die Oma am Telefon ins Spiel oder die Kinder müssen per Ferndiagnose den DVD-Player reparieren. Wenn Oma allerdings schon im Bett ist und die Kinder wieder grummelig am Telefon werden, weil man nicht weiß, was ein SCART-Kabel ist, dann hilft das gute Internet weiter! Auf Youtube findet man für alles Denk- und Undenkbare eine Videoanleitung und ein Thema, welches nicht auf GuteFrage.net besprochen wird, gibt es nicht. Und Chefkoch.de hat allein 39 Rezepte für Gänsebraten zu bieten. (Für Tierliebhaber, Vegetarier und alle anderen sei der Film Die Weihnachtsgans Auguste empfohlen ;)

Nun stellt sich die Frage: Wo kommen all diese Inhalte her? Sicher, es gibt zu jedem neuen Handy einen tollen Werbefilm, den die Firmen selber auf ihren Youtube-Kanälen hochladen. Aber all die anderen Videos? Sucht man nach „iphone5 unboxing deutsch“, findet man über 260.000 Treffer!

Youtube bietet die Möglichkeit Geld zu verdienen, aber bei den meisten Hobbyfilmern ist das nicht der Fall. In Foren hingegen bekommt man kein Geld für seine Hilfe, trotzdem findet man z. B. im Supportforum von Apple Nutzer, die fleißg anderen Nutzern bei Probleme und Fragen weiterhelfen. Aber wieso um alles in der Welt?

Auf Communitites und Foren sieht man, dass wir Menschen (meist) soziale Wesen sind, die gern helfen und ihr Wissen gern zur Verfügung stellen, wenn sie dafür Anerkennung bekommen. Diese Anerkennung bekommt man in Communitites durch das Zurschaustellen meines Wissens und meiner Expertise. Die intrinsische Motivation ist somit grundlegend vorhanden. Mit dem Einsatz von Gamingelementen, sprich dem Erreichen von Levels, in die ich durch die Sammlung von Punkten aufsteige, kann diese intrinsische Motivation untermauert werden.

In einer Community kann ich meine Nutzer, die Wissen und Hilfestellungen einbringen, belohnen, indem sie für jede Interaktion, das Beantworten einer Frage beispielsweise, Punkte bekommen. Mit diesen Punkten kann man Level erreichen, die dann jedem anderen Nutzer auf den ersten Blick anzeigen: Dieser Nutzer ist ein echter Experte. Zusätzlich bieten Communities über Addons das Erstellen von Badges an: Ein Badge kennzeichnet meine speziellen Fähigkeiten, zum Beispiel die schnellste Reaktion auf Fragen oder aber die meisten Aktivitäten zwischen Mitternacht und vier Uhr früh.

Aha, Badges also, da kann ich also wie bei Foursquare früher Bürgermeister vom Lidl werden? Was bringt mir das als Firma? Spiele erschließen sich durch Mitmachen und sich darauf einlassen, das ist bei Fußball nicht anders. Sprich, Gamification belohnt Nutzer, die sowieso Interesse haben und erhöht deren Motivation. Einen Sportmuffel bekomme ich mit einem Badge nicht umgepolt, diese Grenzen von Gamification muss man sich beim Einsatz bewusst machen. Für die, die aber sowieso schon dabei sind, ist es ein guter Zusatzanreiz und eine sehr gern gesehene Belohnung. Denn entgegen der üblichen Auffassung ist Geld nicht Motivationsgrund Nr. 1, Anerkennung, Lob, soziale Interaktion spielen eine große Rolle. Hier kann Gamification sinnvoll unterstützen.

Am Ende des Tages rettet mir Gamification nicht meine Community, zu allererst müssen die Themen spannend sein, über die ich mich hier unterhalten kann. Gamification kann mir dann allerdings helfen, die Nutzer, die sich aufgrund ihres Interesse am Themas eingefunden haben, zu motivieren, sich weiterhin einzubringen.

 

Bildnachweis: Titelbild © Ellen Munro/flickr.com/CC by 2.0