Enterprise Videostreaming – Wohin geht die Reise? (Teil 2)

Im ersten Teil der Reihe zum Thema Enterprise Videostreaming habe ich mich näher mit der Studie von Forrester Research „The Forrester Wave: Enterprise Platforms and Webcasting“ befasst und vorgestellt, welche Kernthemen bei der Evaluation der 16 Vendoren eine Rolle spielen und in welche Richtung sich diese Themen entwickeln. Dabei ging es vor allem um die aktuellen Trends und Entwicklungen von Enterprise Videostreaming auf dem amerikanischen Markt.

Nun möchte ich aber wissen: Wohin geht die Reise in Deutschland?

Im Gespräch mit unserem Themenexperten Oliver Stache haben wir darüber gesprochen, wie sich der deutsche vom amerikanischen Markt hinsichtlich Enterprise-Videostreaming-Lösungen unterscheidet, welche Trends zu beobachten sind und Oliver hat die Lösung Streamworld etwas genauer vorgestellt.

Oliver, Forrester Research untersuchte 16 Vendoren auf dem amerikanischen Markt, die Enterprise-Videostreaming-Lösungen anbieten. Ist der Markt in Deutschland ähnlich vielfältig?

Auch auf dem deutschen Markt wird der Bedarf nach Enterprise-Videostreaming-Lösungen zuerst einmal aus zwei Lagern bedient: dem Lager der Cloud-Videoplattformen auf der einen, und den „On-Premise“-Lösungen auf der anderen Seite.  Die Zahl der Anbieter ist in Deutschland jedoch deutlich kleiner als in den USA. Dies hat zwei Gründe: Bei den Cloudplattformen zum einen ist für deutsche Unternehmen ein Hosting auf US-amerikanischen Clouds ein No-Go und die amerikanischen Anbieter von On-Premise-Lösungen sind vertrieblich und technisch noch nicht voll für den deutschen Markt aufgestellt. Für die deutschen Kunden reduziert sich die Anzahl leistungsfähiger Anbieter daher auf lediglich eine Handvoll Unternehmen.

Live-Webcasting, Corporate YouTube oder beides – wohin geht der Trend in Deutschland?

In diesem wie auch bereits im Jahr 2014 liegt die stärkste Nachfrage bei Anwendungsfällen rund ums Livestreaming. Das Format Live-Webcast, bei dem eine Live-Videoübertragung um PowerPoint-Präsentationen ergänzt wird, sowie einen Chatkanal für die direkten Rückfragen der Zuschauer, steht bei den meisten Kunden am höchsten im Kurs und wird in der Regel direkt von der Geschäftsleitung bzw. dem Vorstand angefordert. Der Live-Webcast stellt die Unternehmen jedoch auch vor eine größere technische Herausforderung beim Aufbau als das bei einem Corporate YouTube der Fall ist. Somit beginnen die meisten Unternehmen, die ich kenne, zuerst einmal mit der firmeneigenen Mediathek.

Du hast schon viele Jahre Erfahrung im Enterprise Videostreaming sammeln können. Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen für Unternehmen, die Video zu internen Kommunikation einsetzen möchten?

In meinen Augen besteht die größte Herausforderung für das Unternehmen darin, die beteiligten Abteilungen und deren höchste Ziele unter einen Hut zu bekommen. Erst wenn die „Kommunikateure“ und die „Admins“ in einen zielführenden Dialog treten, wird es möglich, diverse Herausforderungen aufzulösen. Das höchste Ziel einer IT-Abteilung ist es, dass alle IT-Systeme zuverlässig laufen – sei das nun das zentrale Warenwirtschaftssystem, die VoIP-Telefonanlage oder alle weiteren betriebskritischen Dienste. Videostreaming stellt hierfür einen Störfaktor dar, denn es braucht vermeintlich sehr viel Bandbreite im firmeneigenen Netzwerk. Du merkst, wie sich hier ein Konflikt abbildet?

Stimmt, das ist wirklich ein verzwicktes Thema. Aber nehmen wir mal an, die Plattform läuft rein technisch, auf welche Features legen Unternehmen besonderen Wert bei der Umsetzung einer Videoplattform?

Bei unseren Großkunden zeichnet sich hier ganz deutlich ein Trend ab. Die drei wichtigsten Features sind:

#1 Self-Service für die Fachabteilungen: Die Kollegen von Marketing oder Unternehmenskommunikation wollen ihre neuen Videos bitteschön gleich selbst über den Webbrowser hochladen, anstatt eine Woche darauf warten zu müssen.

#2 Schutz der übermittelten Informationen: Niemand möchte seine firmeninternen Videos am nächsten Tag bei der Bild-Zeitung oder beim Konkurrenten aus Fernost sehen.

#3 Einbindung der Videoplattform in die vollständige Systemlandschaft des Unternehmens: Warum soll ich den Live-Webcast nicht über mein neues Firmen-iPad anschauen können oder wieso soll ich mir zum Anschauen eines Webcasts ein neues Passwort merken?

Welche Abteilung ist primärer Ansprechpartner im Unternehmen, wenn es um Video geht?

Bei unseren Kunden kommt der initiale Wunsch nach einer Videoplattform zumeist direkt vom Vorstand bzw. der Geschäftsführung und wird der Unternehmenskommunikation in die Ziele geschrieben. Auch Fachbereiche wie Kundenkommunikation/Marketing, Vertrieb, sowie Personal/Weiterbildung haben konkrete Bedarfe nach der effizienten Kommunikation mittels Videoclips und Livestreams. Mit der Umsetzung, dem Betrieb und der Weiterentwicklung wird dann aber stets die IT-Abteilung beauftragt. Diese holt dann zum Beispiel uns als Dienstleister ins Boot.

Was genau bietet eure Lösung Streamworld?

Mit Streamworld bieten wir unseren Kunden eine modulare Software-Komplettlösung fürs Videostreaming. Das ist für jeden Kunden interessant, der vor allem im Intranet große Anwendungsfälle sieht und darüber hinaus die Ausspielung im Internet – also zu Kunden, Journalisten, Partnern – mit der gleichen Plattform abbilden möchte.

Mit Streamworld führt der Kunde also Live-Webcasts im Intranet sowie im Internet durch, hat seine firmeninterne Mediathek, das Corporate YouTube, in dem sich Videos auf jede erdenkliche Weise verwalten und konsumieren lassen. Und damit all diese Videostreams auch ohne großes Aufsehen durchs firmeninterne Netzwerk übertragen werden, gehört unser Streamworld Intra CDN zu jeder größeren Kundeninstallation.

Ich habe verstanden, dass die Einführung von Video im Unternehmen ein großes Projekt ist, was mit vielen Herausforderungen einhergeht. Welches Vorgehen empfiehlst du, um den Erfolg eines solchen Projektes sicherzustellen? 

Gern empfehle ich unseren Neukunden, gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln und sich gemeinsam in kleinen Schritten an die Thematik heranzuarbeiten. So beginnen wir zusammen erstmal nur mit einer Vorstudie, in der die vorhandene IT-Umgebung des Kunden im Rahmen eines eintägigen Workshops analysiert wird. In einem zweiten eintägigen Workshop werden alle interessierten Fachbereiche (Kommunikation, Marketing, Vertrieb, Stab der Geschäftsleitung usw.) eingeladen und deren Anforderungen an das Thema „Video“ strukturiert zusammengestellt. Unsere Experten werten dann beide Workshops aus und erarbeiten drei Szenarien, wie sich die Anforderungen der Fachbereiche mit den Gegebenheiten der IT-Umgebung zusammen abbilden ließen und welcher Invest jeweils dafür getätigt werden müsste.

Verläuft die Vorstudie soweit erfolgreich und liegt der Invest für den Kunden im vertretbaren Rahmen, so starten wir gemeinsam in den zweiten Schritt – einer Pilotierung. Bei der Pilotierung wird die Videoplattform „in Klein“ – also nur an wenigen Standorten verfügbar – aufgebaut. Auf diese Weise geben wir gemeinsam mit der IT-Abteilung den Fachbereichen bereits etwas „zum Anfassen“ in die Hand. Durch die Pilotierung gewinnen alle Beteiligten – Fachbereiche, IT und wir als Dienstleister – viele wertvolle Erkenntnisse. Und an dieser Stelle ist dann der unternehmensweite Roll-Out als dritter und letzter Schritt ideal vorbereitet: Von hier an ist Ihre firmeneigene Videoplattform nun keine große Herausforderung mehr.

 

Danke für das Interview, Oliver!

Bildnachweis: Titelbild © Austin Ban I unsplash.com