Fünf Herausforderungen für „Facebook at work“

Nach den ersten Ankündigungen im letzten Jahr, ist diese Woche die offizielle Testphase von „Facebook at work“ für eine ausgewählte Anzahl an Pilotunternehmen gestartet. Entgegen ersten Vermutungen wird die Lösung nicht mit Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn in Konkurrenz treten, sondern in die Kategorie Enterprise Social Networks (ESN) einzuordnen sein. Somit kommt die Mutter aller Social Networks nach einem ausgedehnten, 10-jährigen Test (facebookintern) im Unternehmenskontext an.

Auf den ersten Blick eine logische und eigentlich auch überfällige Erweiterung des Facebook-Portfolios. Immerhin gilt das, was Facebook für den Endverbraucher als Social-Network-Standard etabliert hat, heutigen Enterprise-Social-Network-Lösungen wie Microsoft Yammer, Jive, tibbr, Salesforce Chatter oder auch SAP Jam als Vorbild: Profile, Status-Updates, Feed bzw. Activity Stream, Likes, Sharing, @mentions und Kommentarfunktion und natürlich auch die Event- und Gruppenfunktionalität sind Standardfeatures im Enterprise-Segment. Dazu kommt die anzunehmende niedrige Adaptionsschwelle des in weiten Teilen selbsterklärenden Produkts.

Trotzdem sehe ich durchaus Herausforderungen, damit Facebook mit dem späten Eintritt im Markt für ESN langfristig Erfolge feiern kann:

#1 Integrations- und Erweiterungsmöglichkeiten

Stand-Alone-Social-Networks haben bis auf wenige Beispiele kaum Überlebenschancen im Unternehmensumfeld. Mitarbeiter wollen nicht noch ein zusätzliches Tool nutzen, was nur bedingt in ihre täglichen Arbeit integrierbar ist und sie jedes Mal manuell zwischen den Systemen hin und her wechseln müssen. Social muss am Prozess stattfinden, als Silo wird es schwer. Hoffnung, zumindest für die Integrierbarkeit, machen hier die zahlreichen APIs, die „Facebook for Consumer“ in der Vergangenheit schon stark gemacht haben. Aber auch die Erweiterbarkeit um essentielle Businessanwendungen, wie z. B. Filesharing, wird eine wichtige Rolle spielen.

#2 Professional Services

Bisher hat sich das Unternehmen Facebook auf Anwenderseite auf die Konsumenten fokussiert, Businesskunden wurden je nach Marketingspendings unterschiedlich intensiv betreut. Etablierte Player im Markt haben dagegen entweder eigene Professional Service Teams weltweit etabliert oder decken die Einführung, Beratung und Change-Management-Kompetenz über strategische Partner ab. Das heutige Partner-Ecosystem von Facebook, welches vornehmlich aus Marketingagenturen besteht, hat mitunter dafür heute nicht die notwendige  Kompetenz und auch nicht die erforderliche Ausrichtung.

#3 Data Security

Was für die Marketingauftritte schon einige Herausforderungen mit sich bringt, bekommt im Businesskontext eine ganz neue Dimension. Ich stelle mir gerade vor, dass ein Mitarbeiter schützenswerte Unternehmensinformationen aus Versehen auf seiner privaten Pinnwand öffentlich teilt oder auch andersherum die Erlebnisse des lustigen Wochenendes nebst freizügigem Foto in der Abteilungsgruppe postet und sich dann über das Vieraugengespräch am Montagmorgen mit seinem Chef wundert. Zugegeben, alles ein wenig konstruiert. Den Quellen ist aber zu entnehmen, dass man zumindest in der Desktopversion einfach den Account von privat auf business wechseln kann. Da ist das Szenario nur einen Klick entfernt. Mobil gibt es dedizierte Apps, die etwas mehr Sicherheit geben.

#4 Cloud

Ist der Schmerz bzw. der Bedarf erst groß genug, werden die Bedenken nach Serverstandort etc. schnell klein geredet. Anbieter wie z. B. Microsoft Yammer und Salesforce Chatter wissen um diesen Umstand, können aber trotzdem europäische und deutsche Kundeninstanzen vorweisen. Für viele Unternehmen wird das allerdings eine frühe und unüberwindbare Hürde bleiben. Auch hier bleibt abzuwarten, ob Facebook darauf reagiert und auch Lösungen für den schutzbedürftigen deutschen Unternehmenskunden anbietet. Partner dafür stehen sicher bereit.

#5 Weiterverwendung der (Nutzer-)Daten

Daten  sind die Währung von Facebook. Diese bilden das Herzstück der massiv ausgebauten Werbemöglichkeiten für Unternehmen und sind die Einnahmequelle schlechthin. Aber was ist mit Daten von Mitarbeitern, die auf einer Facebook-at-work-basierten internen Plattform erzeugt werden? Die sogar einem privaten Account zuordenbar sind? Hier erwarte ich die größten Bedenken, nicht nur aus Sicht von Personalvertretungen und Datenschutz, sondern auch von den Nutzern selbst.

Neben den hier in Auszügen beschriebenen Herausforderungen sind allerdings auch eine Menge Chancen in Reichweite, über die ich an dieser Stelle in Kürze meine Meinung zum Besten geben werde.

 

Quellen im Netz:

http://techcrunch.com/2015/01/14/facebook-at-work-ios-android/

http://allfacebook.de/news/facebook-at-work-testphase

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-testet-Facebook-at-Work-2517799.html

 

Bildnachweis: Titelbild © Joshua K. Jackson/unsplash.com