Gamification Teil 1: Gamification im Intranet

Gamification Grundlagen

Gamification ist heute ungefähr das, was „Social“ vor ungefähr 5 Jahren war: Ein interessanter Ansatz mit hohem Potential zur Verbesserung von Arbeitsprozessen und B2C-Kommunikation, aber derzeit noch kein Standard in Unternehmen.

Was ist Gamification?

Gamification ist eins grundsätzlich nicht: Spielen an sich. Spielen ist spielen, egal ob regelbasiert oder nicht. Sogenannte Serious Games sind z. B. keine Gamification, denn Serious Games sind richtige Spiele, aber mit ernstem Hintergrund.

Gamification hingegen ist die Verwendung von Spielprinzipien und Spielmechaniken in einem Nicht-Spielkontext, wie z. B. bei Arbeitsprozessen. Man macht sich also das zunutze, was ein Spiel zum Spiel macht, und was den Spieler dazu veranlasst sich am Spiel – im Idealfall über längere Zeit – zu beteiligen. Bei Gamification geht es vor allem um Motivation.

Loyalitätsprogrammen wie „Bonusmeilen“ oder Rabattpunkte im Supermarkt kennt jeder. Diese werden oft als Beispiele genannt, aber das ist für sich gesehen ebenfalls keine Gamification. Oder kennen Sie ein Spiel, bei dem sie monoton immer wieder die gleichen Tätigkeiten ausüben, ausschließlich in Aussicht auf eine Belohnung bei einer bestimmten Menge Punkten? Würden Sie das als Spaß bezeichnen? Sicher nicht, denn so funktionieren Spiele nicht. Das gleicht eher dem Versuch, einen Esel mit einer Karotte vor der Nase zum Laufen zu bewegen. Menschen wollen so nicht behandelt werden. Mitarbeiter auch nicht.

Was also ist Gamification?

Die Vergabe von Punkten für Handlungen, das Sammeln von Punkten in Aussicht auf Belohnungen, die Vergleiche mit anderen Spielern, das hat im Spielkontext alles seine Richtigkeit. Auch für Gamification ist das von Bedeutung, aber da hört es nicht auf.

Spielmechaniken

Die Vergabe von Punkten ist eine Spielmechanik, von der es eine ganze Reihe mehr gibt. Viel mehr. Die aus unserer Sicht folgenden zehn Spielmechanismen sind die wichtigsten für ein grundlegendes Verständnis:

  • Sichtbarer Status
  • Fortschrittsanzeigen
  • Transparente Resultate
  • Ranglisten
  • Aufgaben (als Individuum oder Gruppe)
  • Rückmeldung
  • Community Collaboration
  • Kaskadierende Information
  • Bedeutung

Der Begriff „Spielmechanik“ für diese kurze Auswahl umfasst im Grunde drei unterschiedliche Mechaniken, die eine attraktive gamifizierte Umgebung ausmachen können:

  • Die eigentlichen Spielmechaniken: Bewertung und Belohnung von im Kontext richtigem messbarem Verhalten
  • Soziale Mechaniken: Austausch mit anderen Spielern, Rückmeldung und Anerkennung für im Kontext richtiges Verhalten, Weiterentwicklung als Individuum und/oder als Gruppe
  • Reputationsmechaniken: Sichtbare Veränderung des individuellen Status für im Kontext richtiges Verhalten

Übertragung auf das Intranet

Bei der Übertragung von Spielmechanismen auf interne Arbeitsprozesse gibt es bis heute eine Diskussion um die Frage, was sich erfolgreich gamifizieren lässt: Standardprozesse mit Routinearbeiten? Oder davon losgelöste Arbeitsprozesse, die vor allem auf Freiwilligkeit beruhen?

Gamification im Arbeitskontext soll die Motivation der Mitarbeiter erhöhen. Das funktioniert, wenn man die Mitarbeiter bei der vorhandenen Motivation abholt, bei den jeweiligen Bedürfnissen und der Persönlichkeitsstruktur. Daher ist Freiwilligkeit für den Eintritt in ein Spiel bzw. einen gamifizierten Kontext wichtig. Falls Freiwilligkeit nicht vorliegt, ist es weniger ein „Spiel“ und eher ein Belohnungssystem. Trotzdem ist beides möglich.

Anwendungsszenarien im Intranet

Für die Anwendung von Gamification im Intranet sind viele Szenarien möglich, z. B.:

  • Bei Einführung eines Intranets mit collaborativen Elementen
    • Ausfüllen der MySite: Für das Funktionieren der Collaboration auf Basis von SharePoint 13 ist die Akzeptanz der MySite von hoher Bedeutung i. S. d. Identitätsmanagements. Dafür sollte das Profil auf der MySite von den Mitarbeitern jeweils aufgefüllt sein. Diese Aktivität kann gemessen und belohnt werden.
    • Grundsätzliche Aktivität im neuen Intranet: Ergänzend zu den Bordmitteln von SharePoint 13 gibt es Erweiterungen, die grundsätzliche Aktivitäten erfassen und Punkteverteilung ermöglichen. Z. B. anschauen, Diskussionsbeteiligung, Dokumentbearbeitung, liken, taggen …
  • Collaboration selbst: Manche Arbeitsprozesse wie z. B. Vertrieb bieten sich eher an als andere. Man hat hier einen abgeschlossenen Rahmen, ein zu erarbeitendes Ergebnis, Ziele, Gemeinschaftserlebnisse, ggf. Konkurrenz zu anderen Gruppen (intern und/oder extern).
  • Fortlaufendes Lernen: Wissensarbeiter müssen ihr Wissen laufend weiterentwickeln, Lernen ist Teil des Arbeitsprozesses. Damit ist nicht nur klassisches eLearning gemeint. Fortlaufendes gamifiziertes Lernen kann auch wie „World of Classcraft“ aussehen: Der gamifizierte Unterricht einer Schule in Quebeck, der vollständig im Kopf stattfindet, ohne Kostüme, offline: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/world-of-classcraft-shawn-young-motiviert-schueler-durch-rollenspiel-a-890961.html.
  • Innovationsprozesse sind eng mit fortlaufendem Lernen verbunden. Unternehmen unter Wettbewerbsdruck sind auf die fortlaufende kollaborative Entwicklung von Produkten und/oder Dienstleistungen angewiesen. Auch solche Innovationsprozesse lassen sich mit den oben genannten Spielmechanismen strukturieren

Weiterführende Fragen

Dieser Artikel ist aus Platzgründen notgedrungen knapp ausgefallen. Viele weiterführende Fragen bieten sich an, z. B. zu Risiken und Herausforderungen. Was muss man beachten? Was sollte man nicht gamifizieren? Wann funktioniert die Methode nur oberflächlich betrachtet und zeitweilig? Ein halbes Jahr ist diesbezüglich keine lange Zeit.

Und welche Spielmechaniken lassen sich mit Software für Intranetportale (plus Erweiterungen) abbilden, z. B. SharePoint 13?

Das und noch einiges mehr wäre Gegenstand weiterer möglicher Artikel oder eben eines Gesprächs. Einer der folgenden Artikel hier im Adventskalender wird sich auf jeden Fall mit folgender Frage befassen: Wie sich Gamification bei Brand Communities im Internet verwenden lässt.

 

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