Hochzeit statt Einverleiben – Offizielle Jive-Cisco-Partnerschaft

Schon in Q1 hat es heftig in der Gerüchteküche um Gespräche zwischen Jive und Cisco gebrodelt. Sogar über einen möglichen Aufkauf von Jive durch Cisco wurde spekuliert.

Das Ergebnis der Verhandlungen? Eine intensive strategische Partnerschaft, in der beide Marktgrößen voneinander profitieren sollen.

Vor allem für Cisco bedeutet das einen Strategiewechsel im Collaboration Segment: Jive wird künftig das Cisco-eigene Produkt „WebEx Social“ ersetzen und die technische Basis sozialer Unternehmenskollaboration bestehender und zukünftiger Cisco-Kunden bilden. Damit wird die „Cisco Collaboration Famile“ neu strukturiert. Jabber, WebEx und Jive sollen als starkes Trio für eine integrative und nahtlose Gesamtlösung stehen und die Position an der Spitze des Marktes sichern und festigen. Das könnte gelingen. Diese neue Konstellation lässt künftig die wichtigen Komponenten der real-time Kommunikation, wie Online-Meetings, Chats oder Videokonferenzen, mit Elementen interaktiver Kommunikation wie Wiki-Seiten, Umfragen oder Blogs zusammenwachsen.

Die denkbar vielfältigen Anwendungsszenarien liegen auf der Hand. Zwei der für mich präsentesten Beispiele sind die folgenden:

  • Eine WebEx-Session direkt aus einer Gruppe innerhalb der Jive Community starten um aufkommende Fragen direkt und unmittelbar mit allen Beteiligten zu klären. Das spart Zeit durch schnelle Ergebnisfindung und verlagert die Kommunikation fernab von Outlook und Co. an EINEN Ort.
  •  Aus den Teilnehmern eines Chats werden Interessengruppen in Jive gebildet, um so die in Echtzeit diskutierten Themen in der Community festzuhalten und mit anderen zu teilen. Das treibt Kollaboration und fördert Transparenz und Nachhaltigkeit durch die explizite Darstellung impliziten Wissens.

Aufwendige Workarounds zur Abbildung solcher Anwendungsfälle durch den Kauf von Drittanbietermodulen oder kundenspezifische Erweiterungen der Standardsoftware sind (zumindest für die Basic-Anwendungsfälle) mit dieser Partnerschaft Geschichte. Tony Zingale, CEO Jive, spricht zudem von einer gemeinsamen angestrebten technischen Weiterentwicklung – wir dürfen gespannt sein, welche Ideen das so zusammengestellte Team auf diesem Weg realisiert, und vor allem wie.

Strategisch profitieren beide Unternehmen voneinander. Sie können Synergien bspw. durch Bestandskunden des jeweiligen Partners sowie durch den gemeinsam geplanten Marktangang und die dadurch verstärkten viralen Effekte nutzen.

Doch was bedeutet das operativ für den Einzelnen?

Neben den vielen positiven Aspekten kommt auf beide Parteien eine Menge Arbeit zu. Produkt-Roadmaps müssen angepasst werden und nicht zuletzt die technischen Gegebenheiten müssen innerhalb des Trios der neuen Cisco-Collaboration-Familie genau unter die Lupe genommen werden.

Was passiert beispielsweise mit der geplanten von Jive getriebenen Cisco-Integration? Diese und weitere Fragen beschäftigen die Jive Community aus aktuellem Anlass. Was bedeutet das für die preisliche Stellung der Technologien? Wird die Integration ein Standardfeature, das es erforderlich macht neben Jive-Lizenzen auch Cisco-Lizenzen zu kaufen und umgekehrt? Ist das vielleicht sogar der Fallstrick der durch diese Partnerschaft aufkommenden Innovationskraft? Fragen über Fragen auf die wir sicherlich bald die Antworten aus erster Hand liefern können.

Wir sind gespannt, wie sich diese Partnerschaft weiter entwickelt und wann wir die ersten sichtbaren Früchte genießen können ;-)