Social Intranet – Für wen machen wir das eigentlich?

Irgendwie klingt diese Frage sehr trival, oder? Dennoch erleben wir es immer wieder, dass diese Frage gar nicht bzw. nicht ausreichend in einer Vorstudie oder Initialisierungphase eines Social-Intranet-Vorhabens betrachtet wird. Eine klare Ausrichtung auf die Zielgruppe und die Definition von priorisierten Anwendungsfällen sind aber essenziell für die Akzeptanz und somit für den Erfolg des neuen Social Intranets. Ansonsten ist das Feedback der Nutzer schon vorprogammiert und das Projektteam kann sich Sätze à la „Das neue Social Intranet ist nur eine weitere Plattform neben unseren anderen 30 IT-Plattformen“ anhören.

#1 Art der Aufgabe?

Unsere Erfahrung zeigt, dass das wichtigste Kriterium bei der Zielgruppenanalyse die „Art der Aufgabe“ der Mitarbeiter im Unternehmen ist. Wir sehen hier drei wesentliche Gruppen: Gewerblichen Arbeiter (Produktionsarbeiter), Prozessarbeiter und Informationsarbeiter. Unter Gewerblichen Arbeitern vestehen wir alle Mitarbeiter, die nicht am PC arbeiten und maximal z. B. über Terminals auf das Intranet und andere IT-Systeme zugreifen können. Diese Zielgruppe nutzt die verfügbaren Terminals vor allem für HR-Themen, wie z. B. Urlaubsanträge und weniger für Themen wie Unternehmens- oder Bereichsnachrichten. Prozessarbeiter sind vor allem Mitarbeiter, welche z. T. standardisierte Tätigkeiten ausüben und nur ein gewisses Maß an Informationen aus dem Unternehmen benötigen. Dagegen ist für Informationsmitarbeiter (oder auch Wissenarbeiter) ein Social Intranet ein wichtiges Arbeitsinstrument, welches sie täglich nutzen.

 

Gewerbliche Arbeiter

Prozessarbeiter

Informationsarbeiter

  • Muss nur wenige Informationen sofort finden
  • Einfachste Benutzung
  • Keine aktive Personalisierung und nur sporadische Interaktion
  • Mobile Zugänglichkeit ist unverzichtbar
  • Muss Informationen gut finden
  • Einfache Benutzung
  • Wenig aktive Personalisierung und sporadische Interaktion
  • Mobile Zugänglichkeit ist wichtig
  • Intranet ist wichtiges Arbeitsinstrument
  • Ist bereit aktiv zu personalisieren
  • Mehr Funktionalität und Komplexität möglich  da tägliche Nutzung
  • Mobile Zugänglichkeit ist wichtig

 

Die Bezeichnungen der drei Zielgruppen sind aus unserer Sicht noch nicht final. Eine erste Dikussion bei den Praxistagen der SCM „Interne Kommunikation 2.0“ hat zumindest gezeigt, dass sich hier weitestgehend alle Unternehmen wiederfinden. Vorschläge für alternative Bezeichungen sind immer willkommen (gerne über die Kommentarfunktion).

Hier ein paar beispielhafte Verteilungen von Unternehmen und von den SCM-Praxistagen (20/21.11.2014):

 

Unternehmen

Gewerbliche
Arbeiter (in %)

Prozess-
arbeiter (in %)

Informations-
arbeiter (in %)

T-Systems MMS

0

40

60

Versicherungsunternehmen

0

70

30

Unternehmen für Waschraumhygienelösungen 

50

30

20

Ihr Unternehmen

?

?

?

 

Wie ist die Verteilung in Ihrem Unternehmen? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und sagen Sie uns, wie die Verteilung zwischen Gerwerblichen Arbeitern, Prozess- und Informationsarbeitern bei Ihrem Unternemen ist  gerne auch mit Rahmenbedingungen, wie z. B. Branche und Anzahl der Mitarbeiter.

#2 Wie wichtig ist Digitales?

Die zweite wichtige Frage, die Sie sich stellen müssen, ist, wie ausgeprägt die digitale Arbeitsweise in Ihrem Unternehmen aktuell ist. Aus unserer Sicht gibt es auch hier drei wesentliche Gruppen. Zur ersten Gruppe zählen wir die digital pragmatischen Mitarbeiter, welche z. B. im privaten Umfeld das Web nutzen, um bei Amazon einzukaufen. Die zweite Gruppe beinhaltet alle digital engagierten Mitarbeiter, welche beispielsweise Social-Network-Plattformen wie Facebook, Xing oder LinkedIn benutzen. Die dritte Gruppe sind die digital begeisterten Mitarbeiter. Diese Zielgruppe liebt unter anderem die Verwendung von Mikroblogging-Plattformen wie beispielsweise Twitter.

Daraus ergibt sich unsere 3x3 Zielgruppen-Matrix:

Natürlich kann es je Anwendungsfall noch weitere spezifische Zielgruppen geben, wie z. B. Hierarchiebenen (Vorstand, Führungskräfte, Mitarbeiter und externe). So eine Zielgruppenbetrachtung ist aber vor allem in der Konzeptionsphase von Bedeutung – z. B. im Rahmen eines Berechtigungskonzeptes.

Die zwei Dimensionen unserer Matrix sind nach unserer Erfahrung aber viel wichtiger, wenn es darum geht eine Technlogie-Entscheidung zu treffen. Aber auch bei der Beantwortung der Frage „Wie social darf die neue Plattform sein?“, um nicht einen Großteil der Mitarbeiter mit Features wie „Activity Stream“ zu überrollen. Ein Intranet kann auch dann „social“ sein, wenn ein Dialog im Sinne von Kommentaren und Likes möglich ist. Je heterogener eine Mitarbeiterstruktur ist, desto schwieriger wird es, alle Anforderungen mit Hilfe einer Technologie abzubilden.

Ein sehr schönes Beispiel für ein zielgerichtetes Social Intranet ist das BT Intranet. Hier werden den Busfahrern die wichtigsten Informationen mobil (auf Smartphones) zur Verfügung gestellt. Das Intranet ist somit auf den Großteil der gewerblichen Mitarbeiter ausgerichtet (das Unternehmen hat eine sehr homogene Mitarbeiterstruktur).

Daher lautet unser Tipp des Tages: Analysieren Sie Ihre Zielgruppen genau!

 

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