Wikis

Wikipedia hat es vorgemacht und wir machen es nach. Enterprise-Wikis bündeln heute viele Funktionen, aber der zentrale Anwendungsfall ist immer noch das kollaborative Arbeiten an Texten. Damit wird die revolutionärste Idee des Word Wide Web technisch umgesetzt: Jeder kann Inhalte erstellen und bearbeiten.

Damals in den Achtzigern

Wikis sind so alte wie das World Wide Web selbst und wurden damals in den 80ern zuerst für die Dokumentation von Softwareprojekten eingesetzt. Größere Softwareprojekte sind im Allgemeinen komplex, es arbeiten meistens viele Menschen über lange Zeiträume mit und der Erfolg des Projektes hängt unmittelbar damit zusammen, wie gut das Wissen über die beteiligten Komponenten gepflegt und dokumentiert wird. Entsprechend der Zielgruppe waren die Systeme damals eher geeignet für technikaffine Nutzer. Ich erinnere mich selbst noch an die Betreuung eines Wikis Ende der 90er aus der Feder eines Perl-Entwicklers. Damals wurden Artikel in vielen Wikis automatisch durch die Schreibweise des Artikelnamens in CamelCase verlinkt, was sicher auf den ersten Blick wie eine schöne Idee aussah, aber im Nachhinein zu einer grauenhaften Lesbarkeit der Texte geführt hat... 

Ledereinband und Goldschnitt

Die Wikipedia ist dann mit dem bescheidenen Anspruch an den Start getreten, das gesamte Weltwissen in einem Wiki zu sammeln. Die klassischen Enzyklopädie-Verlage haben das natürlich als Kampfansage verstanden und für diese musste es sich so angehört haben, als hätten da ein paar verwirrte Hacker versehentlich das falsche Kraut geraucht. 14 Jahre und 34 Millionen Wikipedia-Artikel später ist man zwar vom Weltwissen noch weit entfernt, aber von den Verlagen ist nicht mehr viel übrig. Für die Wikipedia wurde mit dem Mediawiki eine eigene freie Software aus der Taufe gehoben, die bis heute sehr aktiv weiter gepflegt wird und mittlerweile neben den Wikipedien zahlreiche andere Anwendungen hat.

Social Enterprise Business 2.0

Heute arbeitet die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland als „Wissensarbeiter“ und der Erfolg eines Wissensarbeiters hängt davon ab, wie effizient er vorhandenes Wissen finden und weiterverarbeiten kann. „Wissen finden“ setzt natürlich voraus, dass es auch gepflegt wird. Und da kommt das Wiki im Unternehmen ins Spiel: Es muss ein System geben, was das Anlegen und Bearbeiten von Unternehmenswissen so einfach wie mit zwei Klicks ermöglicht. Wenn es das nicht gibt, dann wird Wissen nicht gepflegt, damit auch nicht gefunden, kann damit nicht genutzt und weiterverarbeitet werden und das Unternehmen wird auf lange Sicht scheitern. 

Wenn man sich das bewusst macht, gibt es an ein Enterprise-Wiki nur drei Forderungen:

  • Es muss Maßstäbe setzen, was die Benutzbarkeit angeht
  • Es muss vorhandenes Wissen leicht auffindbar machen
  • Es darf nicht dazu anregen, geschlossen Silos und Container zu bilden

Darüber hinaus könnte man noch fordern, dass es sich leicht mit Drittsystemen integrieren lassen muss und dass es eventuell noch für andere, ebenfalls textlastige Anwendungsfälle genutzt werden kann (Erstellung von Handbüchern und Dokumenten mit einem guten PDF-Export zum Beispiel). 

Nächste Haltestelle

Ein Blick in die Glaskugel verrät uns, dass es das „einfache“ Wiki in Zukunft immer schwerer haben wird. Moderne Social Business Suiten verleiben sich den Anwendungsfall „Wiki“ genauso selbstverständlich ein wie Blogs oder Instant Messaging. Die Webapplikationen werden in Bezug auf Usability und Stabilität immer besser, sodass wir für die goldene Zukunft des Wissensarbeiters keine technischen Hürden mehr sehen. Allerdings müssen sich Organisationen immer wieder damit konfrontieren, dass der Erfolg der Wikipedia nicht vorrangig technisch bedingt war, sondern kulturell: Jede und jeder wird durch Anerkennung und Wertschätzung ermutigt mitzumachen, unabhängig von Organisationseinheit oder Hierarchieebene.

 

Bildnachweis: Titelbild © Alan Levine/flickr.com/CC-BY-2.0/via Wikimedia Commons