Social Media Management – Arbeit ohne Pause?

In den letzten Wochen hatte ich im Rahmen meiner Diplomarbeit die Möglichkeit mit acht Social Media Managern über ihren beruflichen Alltag zu sprechen. Betreuung von Social Media Kanälen – das ist sicherlich kein Job von nine to five. Die Community möchte auch nach den regulären Öffnungszeiten noch schnell Antworten auf ihre Fragen bekommen.

Doch wie organisiert ein Social Media Manager seinen Alltag, wenn er keine festen Arbeitszeiten hat und welche Anforderungen ergeben sich auf der anderen Seite an den Arbeitgeber?

Eines vorweg:  Jeder meiner Interviewpartner hatte geregelte Arbeitszeiten in irgendeiner Form. Häufig war die Rede von einer Kernarbeitszeit, in der er oder sie im Büro anwesend sein musste. Es geht also auch bei Social Media Managern nicht völlig chaotisch zu. Dennoch war einem Großteil der Befragten die zusätzliche Arbeit am Abend oder am Wochenende sehr gut bekannt.

Wie können Social Media Aktivitäten gut organisiert werden, ohne dass die Work-Life-Balance der Verantwortlichen völlig verloren geht?

Aus den Interviews konnte ich dafür mehrere Möglichkeiten ziehen. Die erste ist klare Zeiten zu kommunizieren, in welchen auf Beiträge reagiert wird, sozusagen „Öffnungszeiten“ für´s Social Web. Besonders serviceorientierte Unternehmen oder Organisationen, deren Themen häufig polarisieren halten dies aber nicht immer für die beste Lösung. Deshalb ist es auch denkbar, Social-Media-Dienste im Team aufzuteilen. Das funktioniert offensichtlich jedoch nur, wenn es überhaupt mehr als einen verantwortlichen Mitarbeiter gibt. Durch die Aufteilung in Schichten oder Dienste wird die Betreuung der Seite auch abends und am Wochenende ermöglicht, ohne dass ein Mitarbeiter völlig auf seine Freizeit verzichten und ständig erreichbar sein muss.

Einige der Befragten sagten außerdem, dass sie ihre beruflichen Aktivitäten außerhalb des Büros beispielsweise auf dem heimischen Sofa nicht mehr als Arbeit empfinden. Dies bringt uns zum nächsten Punkt:

Welche Anforderungen stellt ein Social Media Manager an seinen Arbeitsplatz?

Ganz klar wurden sowohl flexible Arbeitszeitmodelle als auch variable Arbeitsorte als Vorteil genannt. Es sollte den Mitarbeitern freigestellt sein, zumindest Dienste am Wochenende oder am Abend von zu Hause aus zu erledigen. Die Arbeitszeit war bei den meisten als Gleitzeit organisiert, was als positiv empfunden wurde. Allen Interviewpartnern war es bewusst, dass sie keinen klassischen Bürojob antreten. Dennoch erwarten sie ein gewisses Entgegenkommen ihres Chefs, welches die zusätzliche Arbeit außerhalb der regulären Arbeitszeiten aufwiegt. Dies muss nicht zwangsläufig monetär geschehen, sondern kann auch bedeuten, dass Social Media Manager in der Arbeitsorganisation mehr Freiheiten genießen als andere Abteilungen.

Was für Social Media Manager in besonderem Maße wichtig ist, ist die Absprache mit Kollegen und Vorgesetzten. Besonders in einem für Social Media verantwortlichen Team ist es höchst relevant, dass die Absprache untereinander funktioniert und dass man sich aufeinander verlassen kann. Dazu zählt auch, dass man in etwa die gleichen Vorstellungen von diesem Job hat. Dieser Punkt gewährleistet, dass man auch wirklich abschalten kann und nicht das Bedürfnis hat, nach Feierabend zu gucken, ob der Kollege alles richtig macht. Gleiches gilt für die Absprache mit Vorgesetzten. In vielen Unternehmen ist Social Media Management immernoch eine One-Man-Show, sodass die Kooperation mit dem Vorgesetzten besonders wichtig ist. Denn auch in diesem Fall muss sichergestellt werden, dass im Falle von Urlaub oder Krankheit ein zuverlässiger Ersatz zur Verfügung steht. Im Falle meiner Interviewpartner war dies zumeist der unmittelbar Vorgesetzte.

Ein weiterer Punkt welcher eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist der Einsatz gut funktionierender Technik. Einigen Social Media Managern steht dennoch keine verlässliche Internetverbindung zur Verfügung, die Arbeitsrechner sind teilweise veraltet. Damit ein Social Media Manager so flexibel wie von ihm erwartet arbeiten kann, sollte er mit dem entsprechenden Equipment ausgestattet werden.  

Insgesamt hatten sich alle befragten Social Media Manager gut mit den Anforderungen ihres Jobs organisiert. Ihnen war bewusst, dass das Schließen der Bürotür nicht das Ende der Arbeit ist. Für die meisten stellte dies kein größeres Problem dar, da sie ohnehin eine große Affinität zu sozialen Medien besitzen und auch privat sehr aktiv sind.
Wer also als Social Media Manager tätig werden möchte, sollte sich den vielfältigen Anforderungen des Jobs bewusst sein. Auf der anderen Seite sollte aber auch jedes Unternehmen wissen, dass Social Media Manager in besonderer Art und Weise betreut, organisiert und belohnt werden müssen.

 

Buchtipp: Vivian Pein (2013): Der Social Media Manager. Handbuch für Ausbildung und Beruf. Bonn: Galileo Press.

 

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